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Larry in unserem Enduro-Lager in Koblenz. Von hier wird alles koordiniert. Foto: Matt Wragg

15.12.2015, CANYON Der Alltag unseres Enduro Team-mechanikers Lars Hartwich

Ein Bunter Hund mit schnellen Rädern

 Lars "Larry" Hartwich ist 31 Jahre alt und kommt gebürtig aus der Nähe von Hannover. Wie er den Weg als Mechaniker in unser Enduro Team gefunden hat und welche Aufgaben er täglich in der On- und Off-Season meistern muss, erfahrt Ihr in diesem Interview. Viel Spaß damit!

 

Hallo Larry! Bevor wir jetzt das Jahr Revue passieren lassen, stell Dich doch einfach mal allen vor. Wie alt bist Du, wo kommst Du her und wie lange bist Du bereits aktiv in der MTB-Szene?

Ich bin 31 Jahre alt und komme gebürtig aus der Nähe von Hannover. Meinen Weg aufs Bike habe ich Ende der 90er gefunden. Mein Lehrer war ein ehemaliger Profi-XCO-Fahrer, der in unserer Heimat einen großen Verein ins Leben gerufen hatte. Durch ihn bin ich das erste Mal in den Genuss gekommen, Trails zu fahren.

Du bist seit genau einer Saison jetzt als Mechaniker im Enduro-Team dabei. Deine Roots liegen allerdings woanders. Erzähl uns doch mal kurz, wie Du zum Biken und später dann ins Renngeschäft gekommen bist.

Ja, das stimmt. Ich habe im Jahr 2009 als Team-Mechaniker im Team Topeak Ergon angefangen. Davor hatte ich die Werkstattleitung in einem größeren Bike-Shop geführt, ein Abendstudium besucht und bin Rennen gefahren. Die ganze Story kurz gehalten: Topeak Ergon hat in Magazinen und Foren einen Team-Mech gesucht, ich habe mich beworben, wurde zum Gespräch und Testschrauben eingeladen und habe zwei Monate später die Zusage bekommen.

 

Was unterscheidet dich von einem „normalen“ Fahrradmechaniker? Musst Du Dich auf alle Teamfahrer einstellen oder sind es eigentlich immer dieselben Aufgaben, denen Du Dich stellen musst?

Der größte Unterschied ist, dass ich nicht nur Mechaniker bin. Ich bin bei uns auch für die Logistik zuständig, d. h. ich bestücke auch die Teamfahrzeuge. Wenn wir zu Rennen fliegen, stelle ich das Material zusammen, das wir auf der Reise benötigen, ich bereite die Bestellungen für unseren Team-Manager Flo Goral vor, sorge für die Verbesserung und Anpassung von unserem Material – das sind oftmals nur kleine Details – und mache noch vieles mehr. Eigentlich habe ich also einen sehr bunten und abwechslungsreichen Job, den ich wirklich über alles liebe!

Zu den Anpassungen an die Fahrer muss man sagen, dass natürlich jeder Fahrer anders ist. D. h. die Vorlieben und Gewichte liegen bei allen Fahrern unterschiedlich. Wobei die Basics natürlich gleich sind. Aber im Detail arbeite ich mit jedem Fahrer nach seinen speziellen Bedürfnissen.

 

Was sind für Dich die verantwortungsvollsten Aufgaben in einem EWS-Rennen? Wann im Rennen denkst Du Dir: Hoffentlich geht das jetzt gut?

Die verantwortungsvollste Aufgabe ist ganz klar, das fertige Racebike an die Startlinie zu stellen. Ich bin das Bindeglied zwischen unseren Athleten und ihrem Strive. Sie vertrauen mir auf ganzer Linie und das bringt natürlich auch eine große Verantwortung mit sich. Wir alle zusammen ergeben ein System. Und ein System sollte nur mal in allen Teilen optimal funktionieren.

Selbstverständlich bin ich die ganze Zeit nervös, wenn mein meine Jungs und Ines draußen unterwegs sind. Ich habe so viel Leidenschaft für das Leben als Mechaniker, Supporter und für den Rennsport an sich, dass ich in den Pits wohl nervöser bin, als wenn ich selber Rennen fahre. Dort verfolgen wir natürlich dauerhaft das Livetiming. Wenn dann einer unserer Fahrer eine ungewöhnliche Zeit am Ende einer Stage gefahren hat – wegen eines Sturzes oder ähnlichem –, machen wir uns natürlich auch sorgen und stellen bis zum Ergebnis der nächsten Stage wilde Theorien auf, was wohl gerade passiert ist. [lacht] Und natürlich ist an einem Renntag alles möglich und es kann so viel passieren… Da kann ich einfach nicht abschalten.

 

Du bist ein sehr positiver Mensch, den ich eigentlich noch nie schlecht gelaunt erlebt habe. Zumindest wirkst Du immer sehr glücklich, als würdest Du zurzeit in Deinem Job voll und ganz aufgehen. Ist das so?

Ja, das ist richtig. Ich fühle mich in meinem Job und in unserem Team so sehr am richtigen Platz wie noch nie zuvor in meinem Leben. Es ist etwas so unglaublich Großes für mich – ich kann das nicht richtig in Worte fassen. Jeder einzelne in meinem Team – ob Ines, Flo, Fab, Joe oder Ludo – ist mir über die Zeit sehr ans Herz gewachsen und wir haben einen unglaublich guten Spirit im Team. Das ist einfach der Wahnsinn! Und auch, dass ich hier so viele tolle Menschen bei Canyon um mich herum habe, macht mich ziemlich happy. Hier wird zusammen hart gearbeitet, aber genauso auch zusammen gelacht. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür, dass ich bei Canyon und auch in Koblenz bin und dass ich als Mechaniker in unserem Team leben darf, was ich liebe.

 

Was erwartest Du von der kommenden Saison. Einige Veränderungen wird es ja geben. Gibt es eigene Ziele oder Dinge, Du Dir gerne verbessern würdest?

Ja sicherlich, es wird große Veränderungen im nächsten Jahr geben, die mich natürlich sehr traurig stimmen – etwa das Beenden von Fabs Profi-Karriere. Aber ich kann es momentan auch nicht erwarten, wieder mit unserem Team loszuziehen.

Was ich von der nächsten Saison erwarte? Im Vordergrund steht natürlich, dass unsere Fahrer verletzungsfrei durch das Jahr kommen. Ganz klar steht die Gesundheit an vorderster Stelle. Über die sportlichen Ziele unserer Athleten möchte ich keine Prognosen abgeben, das halte ich für Aberglauben. Für mich persönlich ist es natürlich immer wichtig, meine Skills und mein Wissen weiterzuentwickeln. Ich möchte stets das, was ich mache, auch gut machen. Und weil ich eher selbstkritisch bin, verlange von mir auch immer viel.

 

Was machst Du während eines Rennens? Gibt es da Momente, in denen Du durchatmen kannst, oder bist Du ständig unter Anspannung?

Durchatmen? Natürlich sind die Bikes mit Fahrern auf der Strecke im Rennen. Aber dann arbeite ich an den Trainingsbikes, schaffe Ordnung im Teambus und in den Pits, arbeite Liegengebliebenes auf, bin unterwegs bei unseren Sponsoren zur Materialbesorgung und führe Gespräche in den Pits. Es gibt immer etwas zu tun. Für mich ist erst dann Durchatmen angesagt, wenn das Rennen beendet ist und das ganze Team wieder zusammen in den Pits ist. Nach den Rennen am Abend, wenn wir alle zusammen am Tisch sitzen, auf die Afterparty gehen oder auch zusammen auf der Couch über das Rennen reden, dann atme ich durch.

 

Hast Du für die Leser ein paar Tipps dazu, was sie selber an ihrem Bike ändern können, um die Performance zu steigern?

Technisch haben wir ein paar Veränderung an den Bikes vorgenommen. Shifter und Bremshebel haben wir mit einem Griptape versehen, damit die Fahrer besseren Kontakt an den Stellen haben. Außerdem haben wir die Züge am Cockpit fixiert, um die Optik clean zu halten und mehr Freiraum für die Startnummern zu bekommen. Aber jeder Fahrer hat seine eigenen Vorlieben, was das Bike und die Einstellungen betrifft. Wichtig ist natürlich, dass die Federelemente eine Top-Performance haben und sich alle Lager frei, sauber und mit geringer Reibung bewegen. Und damit z. B. bei Rennen im Regen weniger Schmutz am Bike haften bleibt, verwenden wir diverse MucOff-Produkte. Und für unterschiedliche Streckenverhältnisse nutzen wir unterschiedliche Kettenöle. Darüber hinaus verwenden wir natürlich je nach Strecke und je nach Vorlieben unterschiedliche Reifen. Eines ist aber immer gleich: alle fahren bei uns im Team tubeless. Mit Schlauch zu fahren, ist keine Alternative für uns – außer im Falle eines Defektes. Teilweise werden auch noch Veränderungen am Cockpit vorgenommen, um sich auf den Charakter der Strecke anzupassen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich auch, dass der Fahrer so wenig wie möglich am Körper trägt. Darum versuchen wir alles am Bike unterzubekommen. Zum Beispiel wird der Schlauch am Rahmen montiert, die CO2-Kartusche so tief wie möglich am Bike befestigt – sozusagen am Schwerpunkt – und das Kettenschloss schnell erreichbar am Bike befestigt. Alles, was wir nicht am Bike montieren können, wird möglichst kompakt im Rucksack verstaut.

Letztlich ist aber immer wichtig: Je mehr Liebe und Pflege man in sein Bike investiert, desto mehr bekommt man auch zurück.

 

Vielen Dank und eine erfolgreiche Saison 2016!