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01.04.2016, WMN CANYON//SRAM Racing

„Wenn ich dem Team helfen kann, leide ich gern“

Barbara Guarischi ist nach Verletzungsproblemen wieder dort, wo sie am liebsten ist: Im Sattel - mit ihrem CANYON//SRAM Racing Team. Für ihr Comeback hat sich die Italienerin ausgerechnet eines der härtesten Rennen des Jahres ausgewählt: die Ronde van Vlaanderen. Warum die Frühjahrklassiker für sie „das Herz des Radsports“ sind und was sie von sich selbst erwartet, erzählt Guarischi hier.

Du bist wegen einer Schulterverletzung vier Wochen lang ausgefallen. Wie fühlt es sich an, wieder in den Rennmodus zu schalten?

Ich bin sehr glücklich wieder durchstarten zu können! Ich habe die Rennen meines Teams natürlich verfolgt und es war nicht leicht, das von Außen betrachten zu müssen.

Warum startest du dein Comeback ausgerechnet bei einem so großen und schweren Rennen?

Ehrlich gesagt: das wird richtig hart für mich. Das weiß ich jetzt schon. Aber wenn ich dem Team helfen kann, leide ich gern. Und ich liebe dieses Rennen!

Wie oft bist du die Ronde van Vlaanderen schon gefahren?

Das wird mein fünfter Start.

Den Streckencheck mit dem Team hast du verpasst. Macht dir das Sorgen?

Mein Problem wird sein, dass ich meine Rennbeine noch nicht wieder habe, weniger die fehlende Streckenkenntnis. Die Anstiege und die Kopfsteinpflasterstücke werden die gleichen sein wie sonst. Bei den Klassikern muss man sein Rad und die Strecken beherrschen und gute Beine haben. Wenn nur eins von beiden passt, gewinnst du kein solches Rennen.

Was ist das Besondere an Flandern? Kannst du es einem „normalen Menschen“ beschreiben?

Für mich ist die Ronde wertvoller als die WM, es ist das Highlight des Jahres. Es ist voller Gefühle, Herz, Hingabe. Das ist nicht nur ein Radrennen, sondern für viele ein Spiegel ihres Lebens. Am Start weißt du schon: das wird ein Tag voller Schmerzen. Aber wenn du dann über das Kopfsteinpflaster rumpelst oder mitten in einem knackigen Anstieg mit dir selbst kämpfst und die vielen Zuschauer dich nach vorn brüllen, dann kannst du dich nicht mehr gegen die Gänsehaut wehren. Ich bin mir sicher: Es gibt niemanden am Start, der nicht davon träumt, dieses Rennen zu gewinnen.

Und du? Wie sieht es mit deinen Ambitionen aus?

Ich bin in diesem Jahr einfach glücklich, wieder im Team zu sein. Wir hatten eine harte Zeit im letzten Monat, vor allem wegen Trixis Sturz. Jetzt möchte ich dem ganzen Team ein Lächeln mitbringen und wieder Teil des Ganzen sein. Mein sportliches Comeback wird eine harte Sache. Im Olympia-Jahr möchten alle zeigen, was sie können und es gibt bestimmt 20 Frauen, die dieses Rennen gewinnen können. Das Level im Frauenradsport ist enorm hoch mittlerweile.

Meine Schulter ist wieder ok, nicht zu hundert Prozent zwar. Aber ich bin bereit. Für mich ist es wichtig, wieder Rennen zu fahren. Vor allem für den Kopf. Ich werde das Team unterstützen, so lange ich kann. Und dann muss ich Kilometer für Kilometer schauen, was noch geht.