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Nairo Quintana im Weißen Trikot bei der Tour de France 2015. // (c) TDWsport.com

28.06.2016, PROSPORTS JOURNAL JAUNE - 4 Fragen an Canyon Athleten

"Tour? Da denke ich zuerst an puren Wahnsinn!"

4 Fragen, 5 Canyon Athleten, eine Leidenschaft: Mieke Kröger, Marco Haller, Rory Sutherland, Nils Frommhold und Rob-J fiebern mit unseren Teams bei der Tour de France und verraten ihren Siegertipp für die Große Schleife.

Am Samstag beginnt die 103. Tour de France und unsere beiden WorldTour Teams Katusha und Movistar Team gehen mit großen Ambitionen an den Start der Großen Schleife. Wir haben fünf unserer Canyon Athleten gefragt, wie sie das Spektakel in Frankreich verfolgen.

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1)      Was fällt dir als erstes ein, wenn du "Tour de France" hörst? Was verbindest du mit dem Rennen und mit Frankreich als Radsportland im Allgemeinen?

Mieke Kröger // CANYON//SRAM Racing: Wenn ich Tour de France höre, denke ich zuerst an meine Kindheit zurück, als ich mit Radsport noch ziemlich wenig am Hut hatte. Mein Vater hatte damals den Fernseher eingeschaltet, um die Tour de France zu verfolgen. ich fand das eher ziemlich langweilig und bin wieder gegangen. Mittlerweile bin ich diejenige, die den Fernseher einschaltet, um die Tour de France zu verfolgen und andere verlassen das Sofa.

Marco Haller // Team Katusha: EMOTIONEN! Schon als Kind saß ich mitfiebernd vorm TV und die Tour war fast wichtiger als Schwimmbad oder Fußballplatz. Und wenn ich jetzt an mein Tour-Debüt im letzten Jahr denke, bekomme ich Gänsehaut. Die Tradition, die der Radsport in Frankreich hat, ist beneidenswert. Dort sind die Sportler noch Helden und die Leistungen werden anerkannt. Das vermisse ich in Österreich.

Rory Sutherland // Movistar Team: Ich glaube, jeder denkt über die Tour das gleiche. Es ist ein Traum, und zwar der härteste, an dem du teilnehmen kannst. Es ist sicherlich das größte Rennen der Welt, mit den meisten Fans und dem stärksten Starterfeld. Ein Rennen, das dich zum Held oder zum Verlierer machen kann.

Nils Frommhold // Canyon Triathlon: Als Radsportler sind mir noch viele spannenden Duelle in den Alpen oder Pyrenäen bzw. auch viele Überraschungen und Enttäuschungen in besonderer Erinnerung. Tour de France heißt für mich aber auch drei Wochen regelmäßig Fernsehen gucken. Wenn ich ehrlich bin, gibt es doch nichts Schöneres als nach dem Training  die Tour zu schauen, dabei einzuschlafen und pünktlich zum spannenden Ende wieder voll wach zu sein.

Rob-J // Canyon MTB-Hero: Ich denke an den puren Wahnsinn, den sich die Sportler da antun. Was die Tour den Jungs abverlangt, ist einfach unglaublich. Die Belastung muss brutal sein, dazu noch der mentale Druck und die Erwartungen der gesamten Maschinerie von Industrie, Medien, Fans, usw. Das muss richtig zermürbend sein. Hut ab und größten Respekt vor all den Athleten, die das alles "clean" durchhalten. Unvorstellbar auch die Leistung, die die alten Legenden auf Ihren Rädern damals erbringen mussten, als die Strecken auf Schotterpisten durch die gewaltigen Berge führten. Das waren wirklich harte Hunde.

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2)      Warst du schon mal bei der Tour de France vor Ort? Wenn ja, wo und wann? Wenn nein: Welche Etappe/welchen Berg würdest du gerne mal anschauen?

Mieke Kröger: Ich war leider noch nie bei der Tour de France vor Ort, um mir Etappen anzuschauen. Sehr gerne wäre ich einmal am Mont Ventoux dabei. Einfach weil ich schon so viele Geschichten über diesen Berg gehört und gelesen habe. Ich würde auch gerne einmal den Fahrern beim Erklimmen von Alpe d’Huez mit seinen 21 Kehren zujubeln.

Marco Haller: Als Zuschauer habe ich es nie live vor Ort geschafft. Aber wie gesagt, ich durfte im letzten Jahr zum ersten Mal an der Großen Schleife teilnehmen und bin auch dieses Jahr dabei.

Rory Sutherland: Ich bin die Tour nie gefahren – nur Giro und Vuelta und die meisten der großen Klassiker. Ich denke, jeder der großen berühmten Bergetappen wie Alpe d'Huez und Mont Ventoux wären eine tolle Erfahrung.

Nils Frommhold: Ja, einmal. In einer Nacht- und Nebel-Aktion bin ich damals zum legendären Bergzeitfahren nach Alpe d´Huez gefahren, ich glaube das war 2004. Mit Radsport hatte ich damals allerdings weniger am Hut. Mein Kumpel und ich hatten einfach Lust, dahin zu fahren und dann haben wir die lange Fahrt von Berlin auf uns genommen. Das war ein riesiges Radsportfest und Spektakel! So viele Leute an einem Berg, unglaublich!

Rob-J: Nein, ich war leider noch nie bei der Tour de France, möchte das aber unbedingt einmal erleben. 

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3)      Welche Berge in Frankreich bist du selbst schon mal gefahren und wie war es für dich? Welcher war der schwerste? Falls du noch keine gefahren bist, welcher Pass würde dich reizen?

Mieke Kröger: Als ich noch gar nicht lange im Radsport aktiv war, hat mein Heimatverein ein Jugendtrainingslager in den Vogesen veranstaltet. Wir sind sehr, sehr viele Berge hochgefahren. Col de la Schlucht, Petit Ballon, Grand Ballon (oben gab es immer eine Cola) und noch viele mehr, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. An einem Tag stand der Col du Platzerwasel auf dem Programm. Bevor wir losfuhren wurde uns erklärt, was es mit den Kategorien auf sich hat. Ich hatte mir am Vortag eine Erkältung zugezogen, wollte aber natürlich keine Schwäche zeigen. Also zog ich durch. Ich hatte einen Mordsrespekt vor diesem Berg der ersten Kategorie mit dem komischen Namen. Und es war ein sehr langer Anstieg! Gut ging es mir, um ehrlich zu sein, auch nicht. Umso stolzer war ich, als ich oben ankam – und zwar nicht als Letzte. Selbst erklimmen würde ich gerne jeden prestigeträchtigen Berg der Tour de France. Einfach des Prestiges wegen. Allen voran der Mont Ventoux. Und ich möchte diesen auch mal runter fahren, um nachher selbst sagen zu können: "Hoch ist nicht das Schwierigste". Denn ich kann irgendwie nicht glauben, dass der Wind auf dem Weg bergab so turbulent sein soll. Und natürlich Alpe d’Huez, um die Serpentinen selbst mal gezählt zu haben.

Marco Haller: Durch die Teilnahme musste ich mich sowohl durch die Pyrenäen als auch durch die Alpen quälen – und beide haben es ordentlich in sich. Schwer waren sie alle, aber der Schönste war Alpe d'Huez. Vielleicht wegen der Stimmung, vielleicht wegen des Mythos'. Vielleicht aber auch einfach nur, weil er in dem Jahr der letzte Gipfel war und danach der Flieger nach Paris wartete ;)

Rory Sutherland: In Frankreich bin ich schon viele Anstiege gefahren. Ich würde sagen, die Berge in den Pyrenäen sind die härtesten. Sie sind steiler, länger und höher. 

Nils Frommhold: Wenn man schon in Alpe d´Huez ist muss man natürlich auch hochfahren. Wie gesagt, von Radsport hatte ich damals noch keine Ahnung. Räder haben wir uns von unseren Schweizer "Camping Nachbarn" geliehen und dann ging es mit Shorts und normalen Schuhe den Berg hoch. Am Ende hat es so lange gedauert, dass wir im Dunkeln abfahren mussten. Seitdem habe ich zwar keine Alpen- oder Pyrenäen-Berge in Angriff genommen. Dafür aber durch meine Nähe zu den Vogesen die dortigen Pässen abgefahren. Irgendwie hole ich aber die ganzen Klassiker wie Tourmalet, Mont Ventoux etc. noch nach. Das reizt mich extrem! 

Rob-J: Ich bin vor zwei Jahren mit einem guten Freund zusammen von Les Deux Alpes nach Alpe d’Huez hoch und wieder zurück. Das war ein super Ride und wir waren verdammt stolz auf uns, zumindest einen Teil dieser Königsetappe der Tour absolviert zu haben.

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4)      Dein Tipp: Wer wird die Tour de France 2016 gewinnen und wer könnte für eine Überraschung sorgen?

Mieke Kröger: Jetzt wird es schwierig. Ich denke, es wir ein enger Kampf zwischen Chris Froome, Alberto Contador und Nairo Quintana.

Marco Haller: Puh, das ist immer schwierig zu sagen, aber Chris Froome sah sehr überzeugend aus bei der Dauphiné. Und wenn dann noch Geraint Thomas an seiner Seite ist, wird es sicher schwierig, ihn zu besiegen. Allerdings werden sich Porte, Contador und die Franzosen Pinot und Bardet nicht leichtfertig geschlagen geben. Überraschen wird hoffentlich Katusha ;) und die Kapitäne Rodriguez und Kristoff je eine Etappe gewinnen – mindestens.

Rory Sutherland: Als Movistar Team-Fahrer bin ich ja etwas voreingenommen :) Aber natürlich denke und hoffe ich, dass Nairo die Tour 2016 gewinnen wird. Das wäre großartig!

Nils Frommhold: Ehrlich gesagt will ich mich auf niemanden festlegen. Ich hoffe jedoch, dass das Rennen so lange wie möglich offen bleibt und der Sieger erst spät feststeht. Nairo Quintana gehört aber auf jeden Fall zu meinen Favoriten. 

Rob-J: Nairo scheint dieses Jahr einen guten Lauf zu haben. Ich glaube, er wird das Rennen dieses Jahr machen. Die große Überraschung könnte vielleicht Marcel Kittel sein.

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