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06.11.2014, CANYON Klettern wie ein XC-Racer und bergab wie ein Downhiller

Die Shapeshifter Story

Vor seinem inneren Auge klettert Mountainbike- Profi Fabien Barel leichtfüßig die Steigung hinauf. Er spürt die Sonne im Nacken, der Schweiß läuft ihm über die Stirn. Am Bergkamm angekommen, startet er direkt weiter in einen flowigen Trail. Ohne anzuhalten. Nach zwei Kilometern stürzt er sich auf sandigem Untergrund den Berg hinunter, nimmt immer wieder enge Kurven auf steinigem Grund. Ohne Pause . In seinem Traum gleitet er die Berghänge auf einem Enduro-Bike rauf und runter, dass sich flexibel Berg und Fahrer anpassen lässt. Das Handling ist stets optimal. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt ist, dass Vincenz Thoma, Teamleiter der Produktentwicklung bei Canyon, im Juli 2011 damit startet, seine persönliche Idee von eben genau so einem Enduro-Bike Wirklichkeit werden zu lassen. Vincenz ist selbst begeisterter Biker. » Das Fahrrad erleben, auf dem Trail neue Ideen zu entwickeln und diese Ideen dann in die Realität umzusetzen – das motiviert mich «, erzählt der Bike-Ingenieur. Seine Idee heißt: Shapeshifter (eng. Formwandler). Was eine ausgeklügelte Technik ist, klingt im Prinzip ganz einfach: Über eine Fernbedienung am Lenker und die bloße Gewichtsverlagerung des Fahrers wird die Anlenkung am Dämpfer so verändert, dass sich das Bike wahlweise im Downhill - oder Cross-Country-Mode ( XC ) bewegt. Akribisch feilt Thoma an der Technik. Sein Ziel ist, die neue Strive-Generation mit Shapeshifter zur Serienreife zu bringen. Parallel zur Entwicklung beginnt Canyon ein Enduro- Race-Team zusammenzustellen und in Verhandlung mit den Athleten zu treten.

 

So kommt es Ende 2012 auch zum Gespräch mit Fabien Barel. Das ist der Moment, in dem Barels Traum wahr wird: » Als die Jungs von Canyon mir das System gezeigt haben, war mir sofort klar, dass ich bei diesem Projekt mitwirken will «, erzählt er. Der dreifache Dowhill-Weltmeister und studierte Ingenieur beschäftigt sich schon seit langem mit dem Thema Geometrie und ist begeistert vom System, über das sich das Bike den Streckengegebenheiten anpassen lässt. Mit seinem Ingenieur-Fachwissen und seinen Qualitäten als Fahrer will er entscheidend zur Weiterentwicklung des Strive CF beitragen – und zu dessen Herzstück, dem Shapeshifter. Barel ist so fasziniert von der Idee, dass er den Vertrag mit dem Canyon Factory Enduro Team unterschreibt und sofort mit den Tests auf den Strive-Prototypen loslegt. Großen Einfluss nimmt Barel zudem auf die Auslegung der Geometrie. » Für mich als Racer ist es besonders wichtig, dass sich das Bike in schnellen und extremen Passagen ruhig und kontrolliert bewegen lässt. Deshalb bevorzuge ich ein längeres Frontcenter. « Ausgehend von Barels Anforderungen entwickelt sich die Idee, das Strive zusätzlich zur bewährten auch in einer längeren Race Geometry anzubieten. 2013 startet das Canyon Werksteam offiziell in die erste Saison. Das Team – das sind neben Leitwolf Fabien Barel der Schotte Joe Barnes, selbsternannter »Top Chief« und Gründer der »Dudes of Hazzard«, Ines Thoma, Deutschlands schnellste Enduro-Pilotin und seit 2014 der Schweizer Ludo May.

 

Die Saison 2013 startet Fabien mit einem fulminanten Sieg.Am 19 . Mai 2013 gewinnt er im italienischen Punta Ala das erste Rennen der Enduro World Series ( EWS ) – auf dem Alu-Prototyp. Es ist der erste Test für das neue Strive unter Wettkampfbedingungen und gleichzeitig der erste Sieg in der Königsklasse der Enduro- Rennserien überhaupt. Nach einer turbulenten Saison schließt das Team das EWSGesamtranking mit einem 3. Platz für Fab, Platz 4 für Ines, Platz 9 für Joe und Platz 2 in der Teamwertung erfolgreich ab. 2014 startet das Team nach intensiver Vorbereitung und Abschluss der letzten Tests auf dem neuen Carbon-Enduro Strive CF zuversichtlich in die neue Saison. Um in der Weltelite des Enduro ganz vorne mit dabei zu sein, kämpft das Race-Team um jede Sekunde: Die Teamfahrer fighten an den Stages, die Entwickler an den Schreibtischen und die Mechaniker in den mobilen Werkstätten. Sie alle haben ein Ziel: Die Bikes immer weiter zu optimieren und als Team noch viele große Erfolge zu feiern. Doch der Saisonstart 2014 verläuft alles andere als erfreulich. Im April starten Barel, Thoma, Barnes und May beim EWS-Auftaktrennen in Chile. Auch wenn die Canyon Crew-Mechaniker den Bikes immer ein perfektes Setup verpassen, bleiben bei den Raceruns über Steinfelder Stürze nicht aus. Die meisten verlaufen glimpflich. Nicht so an diesem Tag . Barel driftet mit voller Geschwindigkeit durch die erste Kurve von Stage 1, verliert die Kontrolle und geht mit 40 Stundenkilometern über den Lenker. Kopfüber landet er im Sand. Diagnose : Bruch eines Lendenwirbels . Die gute Nach- richt: keine Querschnittslähmung – die schlechte: die Saison ist für ihn gelaufen. » I am a lucky man, but that was a close call! « In Chile sitzt der Schock über Barels Sturz tief. Doch schon beim nächsten EWS-Rennen im Rahmen des schottischen Tweedlove Festivals hat sich das Canyon Factory Enduro Team wieder ganz auf seine Hauptaufgabe fokussiert: Bestleistungen bringen. Allen voran fährt diesmal Joe Barnes, der in seiner Heimat mit Platz 3 seinen ersten Podiumserfolg feiert. Auch beim Rennen im italienischen La Thuile zeigt der Schotte, dass man ihn auf der Rechnung haben sollte und beendet das Rennen erneut auf Platz 3. Inzwischen ist Fab auf dem Weg der Besserung und brennt darauf, endlich wieder mit seinem Strive an den Start gehen zu können. Stay tuned.