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Teamzeitfahren mit CANYON//SRAM Racing in Leipzig. // (c) Tino Pohlmann

27.09.2016, WMN TTT Training mit CANYON//SRAM Racing

"Teamzeitfahren ist Poetry in Motion"

Neun Fahrerinnen, neun Zeitfahrmaschinen, eine Mission: Die Titelverteidigung im WM-Teamzeitfahren in Doha. Blicke hinter die Kulissen von CANYON//SRAM Racing und erfahre hautnah, wie ein TTT Training bei Profis abläuft. #TakeTheLead

THREE! TWO! ONE! GO! Über Funk gibt CANYON//SRAM Racing Teamchef Ronny Lauke den Startschuss zum ersten Intervall. Sofort begeben sich die neun Fahrerinnen vor seinem Teamwagen in Formation. Aeroposition. Die Unterarme fest in die Armschalen gepresst. Den Blick hinter dem verspiegelten Helmvisier starr geradeaus gerichtet. Neun Athletinnen und neun Räder aufgereiht wie an einer Perlenkette. Der Kreisel dreht sich. Kaum Platz zwischen eigenem Vorderrad und dem Hinterrad des Vordermanns. Ein optischer Genuss. "Es ist poetry in motion", sagt Tiffany Cromwell. Genau das ist es, was die Disziplin Teamzeitfahren ausmacht.

Szenenwechsel. Zwei Stunden vor dem ersten Intervall finden sich die neun Fahrerinnen von CANYON//SRAM Racing im Service Course des Teams im Leipziger Süden ein. Manche von ihnen sind von zuhause aus angereist, andere kommen direkt von der EM im französischen Plumelec. Großes Wiedersehen. Herzliche Umarmungen. Eine harmonische Atmosphäre. Die neuesten Nachrichten werden ausgetauscht, während die Fahrerinnen ihre Rennanzüge und Zeitfahrhelme überziehen. Im Vorhof stehen schon die neun Speedmax Zeitfahrmaschinen bereit.

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Doha in Leipzig simulieren

Dann wird es plötzlich ernst. Ronny beruft ein kurzes Teammeeting vor dem Training ein. Die Fahrerinnen versammeln sich auf dem braunen Sofa, das direkt am Eingang des Service Course und neben den Montageständern der Mechaniker steht. "Noch knapp drei Wochen sind es bis Doha", sagt Ronny mit leiser, aber bestimmter Stimme. Doha, Katar. Austragungsort der Weltmeisterschaften 2016. CANYON//SRAM Racing geht als Titelverteidiger im Teamzeitfahren an den Start. Und genau das ist der Grund für das Zusammentreffen im Leipziger Süden. Team Time Trial Training. Drei Tage, jeweils gut drei Stunden.

Ronny hält einen DIN A4-Ausdruck in die Luft. Das Blatt Papier zeigt den Kurs in Doha. 40 km, zahlreiche Kurven, eine lange Gerade, dann wieder Kurven. "Auf der knapp 14 km langen Geraden werden wir wohl Rückenwind und deshalb einen enormen Speed haben", sagt Ronny. Seit Wochen checkt der ehemalige Radprofi auf einer Wetter App die Windverhältnisse rund um den Lusail Sports Complex und der Pearl Qatar – Start- und Zielbereich der WM-Strecke.

Die Trainingseinheiten rund um Leipzig sollen den Kurs in Doha simulieren. Ronny erklärt die Route und das Trainingsprogramm. Währenddessen werden alle Fahrerinnen mit Funk ausgestattet. Ein letztes Abklatschen, dann klicken die Cleats in die Pedale und die neun Zeitfahrmaschinen rollen vom Vorhof der CANYON//SRAM Racing Base.

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Teamzeitfahren: Leiden in der Gruppe und gemeinsame Glücksgefühle danach

Extreme Sitzposition, überdurchschnittlich hohe Geschwindigkeit, Gemeinschaftsgefühl? Was macht die Faszination Teamzeitfahren aus Athletensicht aus? "Es ist das Leiden in der Gruppe während des Rennens und der gemeinsame Jubel und das Glücksgefühl danach, wenn man ein gutes Ergebnis eingefahren hat", sagt Mieke Kröger, zweifache U23-Europameisterin und U23-Vize-Weltmeisterin im Einzelzeitfahren sowie Weltmeisterin im Teamzeitfahren.

Die 23-Jährige gibt einen interessanten Einblick in die Abläufe des Teams während des Rennens: "Vorne im Wind entscheidet jeder selbst, wie lange er in der Führung fährt. Der härteste Part in einem Teamzeitfahren ist allerdings ein anderer: Wenn man sich aus der Führung zurückfallen lässt und am Ende der Reihe wieder einschert. Dort darf man den Anschluss nicht verpassen, sonst ist man weg." Und wie funktioniert die Absprache? "Im Rennen gibt Trixi die Kommandos, beispielweise ob wir aufgrund der Windverhältnisse auf die andere Seite wechseln müssen. Mit ihrer großen Erfahrung übernimmt sie die Rolle der Teamleaderin", sagt Mieke.

Mit Trixi ist Trixi Worrack gemeint. Vierfache Weltmeisterin im Teamzeitfahren und achtfache deutsche Meisterin. Nach ihrem schweren Sturz beim Trofeo Alfredo Binda im März verlor sie ihre linke Niere. Nach gut drei Monaten voller Bestürzung, Erleichterung, Hoffnung und unglaublicher Willenskraft kämpfte sie sich wieder ins Team zurück, wurde Deutsche Meisterin im Einzelzeitfahren und agiert nun als rechte Hand von Ronny. In Doha soll sie den Kreis schließen, den sie im Februar mit dem Sieg der Katar-Rundfahrt selbst geöffnet hat.

VIDEO: Trixi Worrack auf dem Weg der Besserung

Vollgas durch Leipziger Idylle

Zurück auf dem Zeitfahrrad. Die Zipp-Scheiben an den Hinterrädern knattern im Wind, als es über kleine idyllische Dörfer geht, die den alten DDR-Charme noch nicht vollständig abgelegt haben. Ronny gibt das Signal zum nächsten Programmpunkt auf dem Trainingsplan: Wenden üben. Dazu hat der 40-Jährige ein wenig befahrenes Stück Leipziger Landstraße ausgesucht. Zwei Wendepunkte, dazwischen 1000 Meter Vollgas. Bremsen, Wende, beschleunigen, Formation halten im Power-Modus. Das Ganze fünf Mal. Zehn Minuten lang Wettkampffeeling, zehn Minuten lang volle Konzentration bei knapp 50 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit.

Direkt nach dem Manöver ruft Ronny die Fahrerinnen zusammen. Die erste Auswertung erfolgt direkt am Straßenrand. "Achtet darauf, dass ihr nach den Wenden im Sitzen beschleunigt statt wie gewohnt im Wiegetritt. So bleibt ihr in der optimalen aerodynamischen Position und ermöglicht der Fahrerin hinter euch eine bessere Sicht", analysiert Ronny.

Nach einer weiteren Stunde mit moderater Intensität kommt das Team wieder am Service Course an und wird von Physiotherapeut Lars mit Pasta und Reis empfangen. Die erste von drei anstrengenden Trainingseinheiten auf dem Weg zur WM in Doha ist geschafft und das Team ist dem Ziel "poetry in motion" wieder ein kleines Stück näher gekommen.

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