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19.12.2014, CANYON Die Geschichte einer Innovation

Die Shapeshifter-Story

Man kann das Rad nicht neu erfinden. Ein Satz, der in der Geschichte des Radsports wohl schon oft ausgesprochen wurde. Für Canyon gilt dieser nicht. Wir versuchen immer einen Schritt weiterzudenken und Ideen voranzutreiben. Das beste Beispiel dafür ist die Entwicklung des Shapeshifters, bei der man Schritt für Schritt mitverfolgen konnte, wie sich eine Innovation zu einem Serienprodukt entwickelt hat. Wir sind stolz darauf sagen zu können, dass es nicht viele Produkte in der Szene gibt, die in den letzten beiden Jahren so viel Aufsehen erregt haben wie der Shapeshifter. Zwar ist die Grundidee nicht ganz neu, die Umsetzung dafür umso mehr. So freut es uns zu hören, dass wir mit dem Shapeshifter den Innovationspreis bei der Leserwahl der Zeitschrift Mountainbike gewonnen haben. Dass wir inzwischen auch auf Pinkbike, einer der größten Online-Plattformen im Mountainbike, ebenfalls für den Innovationspreis nominiert sind, ist für uns Grund genug, Euch noch einmal die Geschichte hinter diesem Produkt zu erzählen. Die Shapeshifter-Story!

Wenn man in den Neunzigern davon gesprochen hätte, dass es irgendwann einmal ein Fahrrad geben wird, das sowohl besser bergauf fährt als das beste XC-Bike der damaligen Zeit als auch schneller und sicherer den Berg runterfährt als der beste Downhiller der Neunziger, wäre man sehr wahrscheinlich für verrückt erklärt worden. Die Herausforderung beide Qualifikationen zu kombinieren  hat  zu unserem patentierten Shapeshifter geführt. Die Grundidee und die Realisierung des Projekts kam vom Teamleiter des Entwicklungsteams Vincenz Thoma. Die dazugehörige sehr motivierte Mannschaft teilt die Leidenschaft am Radsport und trug natürlich ebenso zur Realisierung des Projekts bei.

Hier die Idee: Anstatt vor der Fahrt Umbaumaßnahmen am Bike vorzunehmen, um es an das Gelände anzupassen, sollte man die Möglichkeit haben, dies während der Fahrt zu tun. Und zwar immer dann, wenn es nötig ist. Die Idee war geboren. Am Anfang ging es mit einem Nerve AM und verschiedenen Alu-Adapterstücken auf die Piste, um diverse Federwegs- und Geometrieeinstellungen zu testen und die Unterschiede festzustellen. Um diese Einstellungen während der Fahrt ohne Werkzeug durchführen zu können, kam Vincenz relativ schnell auf die Idee einen zusätzlichen Aktuator (Gasfeder) zu verwenden, der die Anlenkung des Dämpfers in die gewünschte und optimale Position rückt. Wir sprechen hier von wenigen Millimetern. Da man bei einem Fahrrad – anders als bei motorisierten Fahrzeugen – einen relativ hohen Schwerpunkt hat, reichen diese wenigen Millimeter des Aktuators aber aus, um auf dem Bike eine große Veränderungen der Massenträgheitskräfte zu spüren. Dabei muss sich der Körperschwerpunkt nur wenige Zentimeter verlagern, um in den entsprechenden Modus (XC oder DH)  zu gelangen.

Man hat quasi die Not zur Tugend gemacht und mit Hilfe des hohen Schwerpunkts und der relativ kleinen Gasfeder  eine große Veränderung erreicht. Im August 2011 wurden dann die ersten Funktionsmuster gebaut –  damals noch aus alten Strive- und Torque-Rohrsätzen. Erstmalig in der Geschichte von Canyon wurde eine User Group ins Leben gerufen. Potentielle und interessierte Kunden mit komplett verschiedenen Fahrstilen konnten sich so an diesem Projekt beteiligen. Wir wollten einfach wissen, ob das Grundkonzept in allen Bereichen – vom Hobbyfahrer bis zum Profi –  ankommt und interessant bzw. spürbar ist. Die erste Skepsis der Teilnehmer am ersten Testtag war schnell verflogen im italienischen Finale Ligure. Es ging nun nicht mehr darum, ob man das Projekt realisieren sollte sondern vielmehr darum, wie man es optimieren kann, wenn es in Serie geht

Ein weiterer Schritt zur Verbesserung und Fertigstellung des Shapeshifters war die Zusammenarbeit mit Downhill-Legende und Enduro-Profi Fabien Barel. Er besuchte uns hier in Koblenz und war direkt begeistert von der Idee. In Zusammenarbeit mit dem französischen Profi, der zudem, studierter Ingenieur ist, verbesserten wir den Shapeshifter und entwickelten auch die Race-Geometrie des heutigen Strive. Es entstand das längere Frontcenter, durch welches man bei hohen Geschwindigkeiten  eine noch viel bessere Stabilität und Laufruhe hat. Um Gewicht zu sparen und ein Highend-Enduro zu erschaffen, war natürlich auch direkt die Rede von einer Carbon-Version.

Zum Saisonauftakt der Enduro World Series in Punta Ala fuhr Fabien auf der zweiten Version des Strive-Prototyps direkt einen Sieg ein. Dieser Sieg und die Tatsache, dass unser System im harten Rennalltag funktioniert, motivierte uns noch mehr dazu Gas zu geben und schnellstmöglich den Status der Serienreife zu erreichen. Eine Remote musste auch noch her. Uns war es dabei wichtig, dass man die Remote bequem vom Lenker aus erreichen kann, ohne dabei die Hand weit öffnen zu müssen. Am Anfang hatten wir noch eine Notlösung mit einer bereits existierenden Remote. Diese ließ sich aber nicht hundertprozentig auf das System abstimmen. Also wurde an dieser Stelle weitergetüftelt bis die perfekte Remote am Lenker verbaut werden konnte.

Nachdem die Entwicklung des Systems abgeschlossen war, machte sich das Canyon Designteam an die Arbeit. Produktentwickler Peter Kettenring hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Strive heute in einer so modernen und klaren Optik vor uns steht. Durchlaufende Linien, logische Flächenübergänge und die Integration des doch sehr komplexen Shapeshifter-Systems in den Rahmen standen dabei an oberster Stelle. Alle Kriterien wurden von Peter und dem Designteam gemeistert.

Von der ersten Idee bis zum Serienmodell des Strive mit Shapeshifter sind nun drei Jahre vergangen. Ein weiterer Schritt ist geschafft und wir sind der Idee vom perfekten Bike wieder ein Stück näher gekommen.