Image

(c) TDWsport.com

28.03.2017, CANYON Nils Politt Im Interview

"Die Klassiker sind jedes Mal ein neuer Kampf"

Nils Politt fährt in seinem zweiten Jahr als Profi beim Team Katusha-Alpecin und ist Teil der Klassikerfraktion um Alexander Kristoff und Tony Martin. Im Interview mit Canyon beschreibt der 23-Jährige die "Faszination Klassiker" und erklärt, worauf man bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix achten muss.

PAVÈS, KASSEIEN, HELLINGE: DEIN CANYON GUIDE FÜR DIE KLASSIKER

Frage: Flandern, Gent-Wevelgem, Paris-Roubaix: Was macht die Klassiker so einzigartig im Rennkalender?

Nils: "Die Klassiker sind aufgrund ihrer Charaktereigenschaften einfach faszinierend. Sie werden oftmals bei schlechtem Wetter, Kälte, Wind und Regen gefahren. Und das liegt mir. Ich mag Rennen, die nach vorne rausgehen, bei denen nicht bis zum Zielsprint gewartet wird, sondern es vorher viele Attacken gibt. Irgendwann merkt man im Feld, dass jeder angeschlagen und kaputt ist. Jeder kämpft, um auch über den nächsten Berg noch mit drüber zu kommen, und das Feld wird immer kleiner und kleiner und zerreißt. Die Klassiker vereinen all diese Eigenschaften. Jedes Rennen ist ein einziges Ausscheidungsfahren."

Frage: Was überwiegt bei dir vor einem Klassiker: Vorfreude oder Angst?

Nils: "Bei jedem Rennen, vor allem bei den Klassikern, muss man mit einer gewissen Portion Respekt an den Start gehen. Natürlich gibt es immer viele Stürze, doch die Angst muss man ausschalten bei den Klassikern. Darüber darfst du nicht nachdenken, sonst hast du schon verloren. Es ist jedes Mal ein neuer Kampf."

Frage: Im vergangenen Jahr bist du bei der Flandern-Rundfahrt direkt mit der Spitzengruppe neben Boonen und Cancellara über den Kwaremont gefahren. Kannst du beschreiben, welche Gefühle diese Situationen auslösen?

Nils: "Als wir vor dem Rennen mit dem Bus zur Einschreibung kamen und die Leute dir schon da zugejubelt haben, war das schon ein Gänsehaut-Moment. Aber wenn du dann nach 200 Kilometern mit der Spitzengruppe über den Kwaremont fährst, wo zig tausend Zuschauer an den Seiten stehen und dich anfeuern und du deinen eigenen Sportlichen Leiter gar nicht mehr im Ohr hörst, dann ist das ein unbeschreiblich gutes Gefühl, das du so schnell nicht vergisst und immer wieder erleben willst."

KATUSHA-ALPECIN: ALLES NEU IN 2017

Frage: Welches ist für dich das eindrucksvollste Rennen im Klassikerzeitraum bis Mitte April?

Nils: "Es sind zwei: Die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix. Beide sind brutal, aber auf eine verschiedene Art und Weise. Bei der Ronde spürst du noch mehr die Zuschauer als bei Paris-Roubaix. In Flandern gibt es mehr Hügel, dafür dazwischen aber auch mehrere Erholungsphasen. Bei Paris-Roubaix ist jedes Pavéstück wie ein Zielsprint, da zählt jede Position und es wird unheimlich hart gefahren. Mir persönlich kommt Paris-Roubaix, wo man über lange Zeit eine hohe Wattleistung drücken muss, eher entgegen."

Frage: Was hast du aus der letzten Saison für die Klassiker gelernt?

Nils: "Sicherlich war ich im letzten Jahr bei den Schlüsselstellen oftmals zu weit hinten. Da fährst du in der Regenrinne um Kraft zu sparen, und auf einmal fahren auf dem Pflaster 50 Leute an dir vorbei, weil du in der Rinne stehst. Für die Klassiker benötigt man viel Erfahrung. Ich brauche bestimmt noch zwei oder drei Jahre, um die Strecke und die Fahrweise richtig zu verinnerlichen."

Frage: Von wem kommen die besten Tipps für die Klassiker?

Nils: "Wir haben mit Alexander Kristoff, Marco Haller und wie sie alle heißen sehr viele Klassikerspezialisten an Bord, von denen ich viel lernen kann. Natürlich fahren wir im Vorfeld der Rennen auch Recons und der Sportliche Leiter erklärt uns, an welchen Schlüsselstellen wir vorne sein müssen. Zusätzlich informiere ich mich auch selbst, indem ich mir beispielsweise das Rennen vom Vorjahr auf Youtube anschaue."

Frage: Bei den Klassikern wie auch bei den anderen Rennen fährst das Aeroad CF SLX, im Zeitfahren das Speedmax CF SLX. In deinem Radsportleben hast du schon das eine oder andere Rennradmodell unter deinem Hintern gehabt. Wie ordnest du die Qualität der Canyon Bikes ein?

Nils: "Jedes Rad ist anders und hat bestimmte Stärken und Grundeigenschaften. Was ich aber sagen kann: Das Aeroad ist das beste Rad, das ich je gefahren bin, es geht brutal nach vorne und ist einfach sauschnell. Genauso das Speedmax. Ich denke, im Zeitfahren haben wir da schon einen kleinen Vorteil gegenüber der Konkurrenz."

PROFISPORT BEI CANYON