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27.09.2017, ROAD Meine Tour de Friends mit Rad Race

Kissenschlacht, Hip Hop, Abriss – und 600 km ballern dazu

In dieser Kurzserie schildern drei Canyon Mitarbeiter ihre Eindrücke von der erstmalig von Rad Race veranstalteten Tour de Friends, bei der knapp 400 Radler in vier Tagen von München nach Jesolo fuhren. Heute: Georg Fertig, Community Manager Road bei Canyon.

Als Community Manager Road bei Canyon bin ich selbstverständlich Radsport-begeistert und  habe auch von beruflichen Wegen her bereits einiges mit Ingo und Jan von Rad Race zu tun. Als sich kurzfristig die Möglichkeit bot, bei der Tour de Friends, im Team Canyon zusammen mit Matthias Lumpp, unserem Brand Manager Road, teilzunehmen, musste ich natürlich nicht lange nachdenken. 4 Etappen durch die Alpen und Dolomiten, von München nach Jesolo, Venedig – 600 Kilometer in 4 Tagen? Genau meine Tasse Tee.

München – Innsbruck

Nach einer Woche mit bangen Blicken auf den Wetterbericht der Etappen-Routen, bescherte uns München das perfekte Kaiserwetter, um die Tour de Friends am Donnerstag auf den Weg zu bringen. Die erste Etappe führte uns über reichlich Gravel und verkehrsarme, asphaltierte Feldwege durch Gmund, am Tegernsee entlang, hoch zum Achensee, bevor wir uns in die kurze und steile Abfahrt nach Jenbach stürzten und es danach flach Richtung Innsbruck rollen ließen.

Alles bei schönstem Sonnenschein und entspannter Atmosphäre – eine perfekte Etappe um mit anderen Teilnehmern der Tour de Friends erste Kontakte zu schließen und die Beine für die kommenden drei Tage zu lockern, da die erste Etappe zwar getimt, aber nicht in die Gesamtzeit einfließen würde. Remember – it’s not a race!

Innsbruck – Brixen

Ein Missgeschick von Thomas Koep (Team DT Swiss), der auf der ersten Etappe leider einen Poller zu spät sah, zu Sturz kam und sich dabei das Schlüsselbein brach, führte zu der spontanen Gründung des Team Canyon x DT Swiss für die restliche Tour de Friends. Das Team bildeten Alex Schmitt und Dominik von Büren von DT Swiss, sowie Matthias Lumpp und meine Wenigkeit. Wir starteten am Freitagmorgen als erstes Team Richtung Brixen über den Brenner, gleich nach dem die Handbiker vom Start gerollt waren.

Das erste Hindernis der Etappe war allerdings nicht der Brenner, sondern ein Satz Treppen. Nachdem wir gemeinsam mit den Teams Velosophen und Monacoracers, die Handbiker die Treppen hinaufgetragen hatten, begann auch für uns die Etappe, die uns nach 26,5 Kilometern zwei Platte direkt hintereinander an Alex‘ Hinterrad bescherte.

Aber immerhin hielt das Wetter und nach einer gut 20-minütigen Zwangspause wurde der Brenner erstürmt. Der Rest der Etappe verlief weitestgehend ereignislos, wobei es sicherlich als Highlight angesehen werden kann, den Brenner Fahrradweg im Canyon Radpack Peloton mit guten 40 Kilometern pro Stunde in einer Einer-Reihe entlang zu fegen. The small things.

Brixen – Vittorio Veneto

Tag Drei und schlussendlich hatte uns das bereits angedrohte Wetter der vorherigen Tage eingeholt. Waren die ersten zwei Etappen noch sonnig und mit milden Temperaturen versehen, wurde die dritte Etappe zur Härteprüfung.

Es lagen 195 Kilometer zwischen Start und Ziel und der Start erfolgte im strömenden Regen und Temperaturen um die 5-10°C. Nach ein paar Verwirrungen bzgl. der Routenwahl wurden wir bald von dem D-Zug des Team Schindelhauer eingeholt (es wurde in umgekehrter Reihenfolge zum Klassement gestartet). Kurzentschlossen sprangen Alex, Dominik und ich an die schnellen 8 oder 9 Fahrer dran und so waren die ersten 60 Kilometer zur ersten Verpflegung in Niederdorf wenigstens eins –  schnell rum!

Waren die ersten 60 Kilometer nass und schnell, so waren die folgenden 45 Kilometer nass, kalt und zogen sich. Durch Toblach ging es gen Süden bergauf, durch Cortina d’Ampezzo und weiter Richtung San Vito di Cadore zum zweiten Checkpunkt. Der dort angebotene warme Tee und Apfelstrudel waren mehr als notwendig, um die Körpertemperatur wieder etwas näher an 36°C heranzubringen.

Die Abfahrt durch Valle di Cadore stand an und mittlerweile hatte sich auch die Sonne endlich mal hinter den Wolken hervorgetraut. Leider reichte diese nicht aus, die regennasse Fahrbahn trockener zu gestalten, aber wenigstens kam kein neues Wasser mehr dazu. An der Gischt im Gesicht vom Hinterrad des Vordermannes änderte dies allerdings wenig.

Zu dritt zogen wir unsere Spuren auf der SS51 bis wir kurz vor Soverzene auf eine Gruppe von 8 – 10 Canyon Radpack Fahrern stießen. Mit nur noch 35 Kilometern bis zum Ziel und einer guten Gruppe ging es schnell Richtung Zielbogen und in Vittorio Winnetou (wie Ingo so schön sagte) begrüßte uns die Sonne und zahlreiche Einwohner der Stadt, die die Ankunft zu einem kleinen Volksfest verwandelt hatten. Mittlerweile war auch das Gefühl in den Händen und Füßen wieder zurückgekehrt und Hafti wummerte aus den Boxen – tolles Gefühl!

Der Höhepunkt der Etappe war aber zweifelsohne die Ankunft von Handbiker Justin Levene. Alle anderen Teilnehmer waren bereits im Ziel und entsprechend fiel der Empfang für ihn aus – extraordinär! Chapeau Justin – that was badass!

Vittorio Veneto – Jesolo, Venedig

Die letzte Etappe – und was für eine! Auf dem Papier standen 124 Kilometer mit rund 300 Höhenmetern, das Wetter sonnig und warm. Team Canyon x DT Swiss rollte an den Start mit dem Tagesziel, eventuell doch noch zurück in die Top 3 zu fahren. Ein Ziel, was dadurch begünstigt wurde, dass in Klassement-Reihenfolge gestartet wurde – die Ersten zuerst.

Die ersten 30 Kilometer würden durch die Prosecco-Berge führen, eine Chance, die vorherigen Starter einzuholen und eventuell an einer Welle abzuhängen. Gesagt, getan und nach kurzer Zeit fuhren wir auf die beide Teams von Platz 4 und 5 auf und an der letzten Welle gab uns Boris von den Münchener Monacoracers Schützenhilfe. Boris sprang, wir an seinem Hinterrad und die Kontrahenten waren distanziert.

Nach einem kleinen Verbremser meinerseits wurde ich leider ebenfalls kurz darauf von der Gruppe getrennt. Da aber Matthias zusammen mit Alex und Dominik fuhr, war das nicht so schlimm. Die drittbeste Zeit jedes Teams wurde im Ziel gezählt, also alles im Lot. Also Kopf runter, Rhythmus suchen und laufen lassen – remember? It’s not a race!

Nach einsamen 25 Kilometern traf ich auf das Canyon Radpack und Team Schindelhauer, die sich gediegener Weise in Treviso einen Café-Stopp gegönnt hatten. Super! Dann komm‘ ich ja doch noch schnell ins Ziel! In einer siebzehn Mann starken Gruppe nahmen wir also Fahrt in Richtung Jesolo auf.

Mein Glück währte leider wieder nicht lange. Rund zwei Kilometer vor dem zweiten Checkpunkt der Etappe verursachte ein Schlagloch ein plattes Vorderrad, von dem zu allem Überfluss beim Anhalten dann auch noch der Reifen einseitig abwälzte, so dass ich unsanfte Bekanntschaft mit dem italienischen Asphalt machen durfte. Mein Glück im Unglück: Die Familie deren Grundstück direkt neben der Unfallstelle lag, versorgte meine lädierten Gliedmaßen und chauffierte mich zusätzlich noch zum zwei Kilometer entfernten Checkpunkt. Grazie mille!

Dort flickten die DT Swiss Mechaniker mein Ultimate CF SLX wieder zusammen und ich begab mich auf die letzten, einsamen 40 Kilometer. Rule 5!

Das Zielbier war nach dieser Etappe verdient und nötig und sollte nicht das letzte des Tages sein.

„Fünfte“ Etappe

Wer schon jemals auf einer Rad Race Veranstaltung war, dem muss ich nichts mehr über die Afterparty im Yacht Club in Jesolo erzählen. Daher in Schlagworten: Bier, Gin, Kissenschlacht, Hip Hop, Abriss! What happens in Jesolo, stays in Jesolo! And remember: it’s not a race!