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28.09.2017, ROAD MEINE TOUR DE FRIENDS MIT RAD RACE

"It’s not a race!"

In dieser Kurzserie schildern drei Canyon Mitarbeiter ihre Eindrücke von der erstmalig von Rad Race veranstalteten Tour de Friends, bei der knapp 400 Radler in vier Tagen von München nach Jesolo fuhren. Heute: Ingmar Keim, Project Coordinator New Developments bei Canyon.    

400 Rennradfahrer, ein Dutzend Fixed-Biker und zwei Handbiker machen sich auf, um in nur vier Tagen die 600 km zwischen München und Venedig zurückzulegen. Morgens und abends werden die Zeiten genommen – aber trotzdem kein klassisches Rennen? Die „Tour de Friends“ von Rad Race, die erstmalig in diesem Format durchgeführt wird, ist weniger Race als vielmehr ein Riesenspaß.

Aber fangen wir von vorne an: Bavaria-Filmstadt, Mittwochabend, bei erwartungsvoll-hitziger Stimmung und Freibier gibt Ingo von Rad Race die letzten Anweisungen für den nächsten Morgen. Bepackt mit einer prallen Swag-Bag und jeder Menge Vorfreude verteilen wir uns auf Nachtquartiere überall in ganz München.

Das WIR gewinnt

Donnerstag um 8 Uhr in der Früh geht es endlich los. Ein Teamkollege lässt Feuerwerkskörper krachen, die Schwefelschwaden ziehen im Sonnenlicht nach oben ab. Die ersten 60 km geht es hauptsächlich auf Gravel, anschließend meistens auf Teer in Richtung Süden. Pannengeplagte Teams werden von vorbeifahrenden Gruppen unterstützt – das WIR gewinnt. Irgendwann erwischt es uns ebenfalls: Plattfuß. Dankbar essen wir die Pausenüberbrückungscrossaints, während im Akkord gepumpt wird.

Mittags kommen wir am Tegernsee an und sind überwältigt von der bayerischen Idylle.  Später zieht hinter uns ein Gewitter auf, der Rückenwind lässt uns ins Inntal hinabfliegen. Innsbruck, erste Übernachtung: Wolkenverhangen und regnerisch am Nachmittag, frisch eingezuckerte Berggipfel am Abend. Wir lassen uns das deftige Essen im Augustinerkeller schmecken und fallen müde ins Bett.

Weiter geht’s nach Brixen. Eine schnelle Etappe, denn wer heute Gas gibt, darf morgen spät starten, was uns bei dem vorhergesagten Regen nur recht ist. Wir ballern in 7er Formation die 1300 Höhenmeter über den Brenner hoch und laben uns am Joghurt der Verpflegungsstation, da die Gratis-Riegel-Flatrate bei einem Verhältnis von 10:1 zwischen Riegeln und Radler zu kollabieren droht. Nach dem offiziellen Abendessen legen wir noch eine Pizza drauf, unsere Körper schreien nach Kalorien.

Der Gipfelschnaps wärmt uns von innen auf

Tag 3, die Königsetappe. Regen und 5°. Die erste Pause fällt wegen der leckeren Kaminwurzen und der warmen Baguettes etwas zu lange aus. Wir frieren und machen Liegestützen im Schutz einer Bushaltestelle, um uns wieder aufzuwärmen. Als wir nach 80 km endlich die Passhöhe am Cortina erreichen, sind wir glücklich und platt. Der Gipfelschnaps wärmt uns von innen auf, die Socken dampfen vor Regen und Schweiß.

In der Abfahrt treten wir dann konstant an, um nicht noch weiter auszukühlen. Gelegentlich reißen die Wolken auf, und geben uns eine Idee der Mächtigkeit des Gebirges, das gerade von uns durchquert wird. An der zweiten Verpflegungsstation gibt es warmen Apfelstrudel und Tee, an der dritten Pizza und Rotwein – Benvenuto a Italia. Menschen an den Straßenrändern beginnen uns zu feiern wie Giro d‘Italia-Teilnehmer.

Wummernde Bässe Berliner Ghetto-HipHops

Als wir nach 200 km in Vittorio-Veneto ankommen und das Fahrerfeld den ganzen Marktplatz einnimmt, ist die Stimmung ausgelassen. Nach mehr als zwölf Stunden Fahrtzeit kommt lange nach Einbruch der Dunkelheit der letzte Handbiker an und wird jubelnd begrüßt. Die Party steigt unter den wummernden Bässen Berliner Ghetto-HipHops.

Der vierte Tag führt uns durch die Prosecco-Berge, das dazugehörige Getränk gibt es dann auch an der Verpflegungsstation. Mehr und mehr Teams platzen während dieser Etappe ab, denn die Verlockungen der unzähligen Cafés entlang der Strecke sind einfach zu groß.

Verpflegungsstation mit Pool

Die zweite Verpflegungsstation hat einen Pool, wir gehen also baden und fahren anschließend unsere klatschnassen Bibshorts wieder im Wind trocken. Nachmittags kommen wir bei herrlichem Sonnenschein und 22° Celsius in Jesolo an. Wir fallen uns in die Arme: Geschafft, ab zum Strand. Das Belohungsbier schmeckt so gut wie nie, erste Überlegungen werden angestellt, ob all das nicht auch in nur drei Tagen zu schaffen wäre.

Und warum das Ganze? Ein Rennen war es schließlich nicht – aber viel Spaß, eben eine richtige „Tour de Friends“.