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29.09.2017, ROAD MEINE TOUR DE FRIENDS MIT RAD RACE

"wir werden zu einem großen Team"

In dieser Kurzserie schildern drei Canyon Mitarbeiter ihre Eindrücke von der erstmalig von Rad Race veranstalteten Tour de Friends, bei der knapp 400 Radler in vier Tagen von München nach Jesolo fuhren. Heute: Hans-Georg Moll, Team Manager im Projekt- und Change Management bei Canyon.

Prosecco und Wurzen am Checkpoint, Fixie-Fahrer, Battle-Rap in der Finish Area und ein zerfledderter Yacht-Club als Ergebnis der After-Race-Party – hört sich nicht nach Alpenüberquerung an?

Auch wenn meine Wettkampfzeit schon viele Jahre zurückliegt und ich darüber nicht unglücklich bin, ließ ich mich im Frühjahr trotzdem überreden bei der Tour de Friends mitzufahren. Gemeinsam mit acht Freunden fahren wir Tagen von München nach Venedig – vier Tage an die wir uns noch lange zurückerinnern werden.

195km, 1800hm, Dauerregen

Der intensivste Tag der Tour ist Etappe drei. Die Fakten: Brixen-Vitturio Veneto, 195km, 1800hm, Dauerregen und niedrig einstellige Temperaturen. Es ist jedem klar, dass dies die Königsetappe sein würde – das Wetter wäre gar nicht nötig gewesen...

Am Start sind wir leicht angespannt, aber trotzdem motiviert, dass es endlich losgeht. Wir starten morgens im kalten Tiroler Regen Richtung Dolomiten. Durch Täler und entlang von Flüssen gewinnen wir zunehmend an Höhe. Die größer werdenden Berge nehmen wir selten wahr. Meist sind sie in Regenwolken und Nebel gehüllt. Der Blick ist auf die nasse Straße oder den Reifen des Vordermannes fixiert damit der Regen nicht so stark in unsere Gesichter peitscht.

Nach dem ersten Checkpoint bei Kilometer 60 lässt der Regen langsam nach. Wir kommen gut voran und gewinnen weiter an Höhe. Hin und wieder können wir auch einen Blick auf die majestätischen Kalkberge der Dolomiten erhaschen. Die Landesgrenze zwischen Österreich und Italien markiert den höchsten Punkt des Tages. Ab hier geht es fast ausschließlich bergab. Die nasse Straße fordert die volle Konzentration.

Wie bei der Tour de France vor 70 Jahren

Plötzlich höre ich hinter mir einen Schrei und sehe im Augenwinkel wie jemand in die Leitplanke rutscht. Ich rufe Lucas, der vor mir ist, anzuhalten. So vorsichtig wie möglich bremsen wir runter und fahren an den Straßenrand. Wir warten auf unsere Teamkollegen. Entwarnung: es war niemand von uns in den Sturz verwickelt, die Gestürzten sind auch unversehrt. Im Team nehmen wir die Fahrt wieder auf. Der Himmel reißt immer weiter auf, die Straßen trocknen ab und damit steigt unsere Laune und unsere Geschwindigkeit.

Wir fliegen in Formation die Straßen Richtung Venetien hinunter. Immer wieder fahren wir auf Teams und einzelne Fahrer auf, unsere Gruppe wir immer größer. Wir wechseln uns im Wind ab, die Stimmung ist spitze, wir werden zu einem großen Team. So gerne wir schnell fahren, so ruhig lassen wir es am letzten Checkpoint angehen: Dorfbewohner haben ein sattes Buffet mit Kuchen, Pizza, Wurzen aufgebaut. Dazu gibt es etwas Rotwein. Wie bei der großen TdF (Tour de France) – vor 70 Jahren…

Gemeinschaftsgefühl! Egal auf welchem Rad

Nach gut sieben Stunden erreichen wir den Zielort Vittorio Veneto. Es ist ein großartiges Gefühl – aufgewärmt von der Sonne holen wir nochmal alles aus uns raus. Aus den Boxen dröhnt Musik und Rad-Race-Ingo brüllt uns durchs Mikrofon über die Ziellinie. Geschafft! Raus aus den nassen Schuhen, essen und beim Auffüllen des Elektrolythaushalts mit den anderen Fahrern das Erlebte teilen.

Spät am Abend, wir sind da schon einige Stunden im Ziel, wird es noch einmal richtig laut. Es versammeln sich alle im Zielbereich und feuern den letzten Handbiker an, der nach mehr als zwölf Stunden über die Linie rollt. Eine Wahnsinnsleistung!

An diesem Tag kann man spüren was die Tour ausmacht – Spaß, Gemeinschaftsgefühl und gegenseitige Unterstützung – egal was für ein Bike man fährt.