23.11.2018, WMN MIt dem Ultimate DUrch Europa

Von Amsterdam nach Berlin auf dem Ultimate

Sanne war an diesem Punkt in ihrem Leben, an dem sie sich nach Zeit zum Reflektieren sehnt. Ein neues Abenteuer und eine sportliche Herausforderung. Könnte es da eine bessere Begleitung geben als ihr Bike?

Ich war an dem Punkt in meinem Leben, an dem ich ein Abenteuer brauchte. Eine neue Herausforderung, durch die ich mich wieder mit mir selbst verbinden konnte.

Etwas "Ich"-Zeit zum Nachdenken.

Also beschloss ich, etwas zu tun, was ich noch nie zuvor getan habe: eine Radreise. Ich begann, meine Route zu planen und entschied mich schließlich dafür, von Amsterdam nach Berlin zu fahren. 800 Kilometer und 4000 Höhenmeter in 3,5 Tagen.

Ich bin ein leistungsorientierter Radfahrer, aber ich wusste, dass diese Reise anders sein würde. Große Herausforderungen sind eigentlich mein Ding. Aber diesmal sollte es nicht die schnellste Route sein, sondern die malerischste.

Mein Canyon Ultimate war mit ca. 8 kg warmer Kleidung, einigen Ersatzschläuchen und einer Regenjacke bepackt. Nur ich und mein Ultimate – jetzt, hier und in diesem Moment – das ist es, was ich vorhatte.

Ich war gut vorbereitet und alles war bereit, aber ich war in der Nacht zuvor so aufgeregt, dass ich kaum schlafen konnte.

Das Adrenalin steigt, die Reise beginnt

Völlig erschöpft machte ich mich am nächsten Morgen auf den Weg. Als ich das Geräusch der Räder auf dem Asphalt hörte, begann das Adrenalin zu steigen und der Mangel an Schlaf spielte dann keine Rolle mehr.

Ich habe meine Route so geplant, dass ich hauptsächlich auf Asphalt fahren würde, da ich meine Geschwindigkeit beibehalten musste, um das Tageslicht optimal zu nutzen. Aber die vielen unvorhergesehenen Schotterabschnitte machten es schwierig, im geplanten Tempo voranzukommen.

An einem Punkt führte mich meine Route in einen dicht bewachsenen Wald, als die Sonne langsam am Horizont zu verschwinden begann.

Keine Straßen in Sicht, nur Schotterpisten über viele Kilometer. Normalerweise liebe ich es, Kies zu fahren, aber nicht jetzt. Steine knirschten unter meinen Reifen und ich betete, dass sie sich nicht durch den Reifen bohren würden.

 

Die Abenteuerin: Sanne Hitipeuw

Der Photograph: Vincent Engel

Und dann passierte es. Ich hörte das schreckliche Geräusch: die Luft, die aus meinem Reifen entwich. Einen Platten. Für einen Radfahrer gibt es kaum etwas Schlimmeres, als im Dunkeln einen Schlauch wechseln zu müssen. Aber es kam noch schlimmer, ein paar Kilometer später bekam ich einen weiteren. Meine neuen Schläuche waren nicht wirklich kooperativ und ich verlor wertvolle Zeit.

Der Schotterweg schien unendlich zu sein und ich ganz allein in einem dunklen Wald ohne Mobilfunknetz. Noch 60 km bis zum Ziel.

Von meinen eigenen Schatten gejagt, begann ich an Gruselgeschichten zu denken. Was ist, wenn es Wölfe gibt? Oder Vampire? Oder Schlimmeres? Meine Vorstellungskraft wurde wild und ich fing an, mich ein wenig zu fürchten. Ich beschloss, eine Abkürzung zu nehmen, die zufällig über eine Autobahn führte. Die Deutschen fahren superschnell, also auch ein wenig beängstigend.

Berlin! Brandenburger Tor! Ich war so glücklich!

Es war umso besser, abends sicher und gesund am Ziel anzukommen! Der folgende Tag war die letzte Etappe meiner Reise.

Nur wenige Kilometer nach Berlin.

Schließlich war ich mit meinem Ultimate vor dem Brandenburger Tor. Ich habe es geschafft! Wow! Ich muss zwei Stunden lang dagestanden haben, mit dem Kopf in den Wolken. Ich war so glücklich!

Noch Wochen später blicke ich mit einem Lächeln auf dieses Abenteuer zurück. Und die nächste Reise ist bereits geplant.

Eine 540 km lange Reise in Norwegen mit dem Namen "Den Store Styrkeproven" hat meine Aufmerksamkeit erregt. Wer weiß? Fortsetzung folgt...

P.S. Viele Radfahrer haben mir gesagt, dass sie das nie schaffen würden. Aber ich glaube wirklich, dass jeder eine solche Reise machen kann. Du musst nur offen sein für die Herausforderung nicht zu viel denken, sondern einfach machen.