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Alban hatte fast zwei Minuten Zeit zum Jubeln, bevor die anderen Fahrer ins Ziel kamen! Foto: Markus Greber

30.06.2015, CANYON Beyond Limits

Alban Lakata ist Marathon-Weltmeister

Mit einem fulminanten Start-Ziel-Sieg wurde Topeak Ergon Marathon Profi Alban Lakata im norditalienischen Wolkenstein neuer Marathon-Weltmeister. Lakata konnte damit an seinen WM Erfolg 2010 in St. Wendel anschließen. 87 Kilometer und 4700 Höhenmeter rund um eine der spektakulärsten Bergkulissen überhaupt – der „Südtirol Sellaronda Hero Marathon“ gilt als härtestes und zugleich schönstes Mountainbikerennen der Welt. Zu Recht wurde dieses Rennen in diesem Jahr als Marathon WM gewertet. Lakata gab schon auf dem ersten Anstieg hinauf zum Grödnerjoch das Tempo vor. Über die gesamte Strecke baute der Österreicher seinen Vorsprung auf komfortable eineinhalb Minuten aus, die ihm bis zum Ziel in Wolkenstein keiner mehr streitig machen konnte.

Alban, herzlichen Glückwunsch zum Sieg. Wie fühlt man sich, wenn man dieses Rennen gewonnen hat?

Es ist unbeschreiblich und nochmal ein großer Unterschied zu meinem Sieg 2010 in St.Wendel. Allein die Bergkulisse hier ist so gewaltig, nicht zu vergleichen mit der eher langweiligen Hügellandschaft im Saarland. Hier zu gewinnen ist schon etwas ganz Besonderes.

Du hast vom Start an geführt und Deinen Vorsprung bis ins Ziel immer weiter ausgebaut. Welche Taktik steckt dahinter?

Ehrlich gesagt überhaupt keine. Im Gegenteil, das Rennen war dadurch eine einzige Hetzjagd. So etwas mag ich normalerweise gar nicht. Aber ich habe mich von Anfang an gut gefühlt. Ich habe meine Wattleistung und den Puls immer überprüft und es war alles im grünen Bereich. Warum soll ich mich dann zurück fallen lassen?

Hattest Du vorher schon das Gefühl, fit genug zu sein? Wusstest Du dass es passen könnte oder kam es für Dich überraschend?

Irgendwie passt dieses Jahr so ziemlich alles. Ich konnte mein Training so steuern, dass ich pünktlich zur WM auf Höchstform war. Damit meine ich nicht nur den Trainingszustand, sondern auch das Körpergewicht und die Psyche. Ich war schon nervös vor dem Rennen, aber ein bisschen Nervosität schadet nicht. Dann war ich vom Start weg voll unter Adrenalin und habe meine Beine kaum gespürt.

Apropos Körpergewicht. Du bist mit Deiner Statur eher bekannt für gute Performance wenn es hügelig ist  aber nicht unbedingt im Vorteil wenn es lange kontinuierlich steil bergauf geht. Also nicht unbedingt ein Bergfloh. Stimmt das?

Ja, diesen Ruf habe ich seit meinem WM Sieg in St Wendel 2010 weg. Umso stolzer bin ich jetzt, dass ich das hiermit wiederlegt habe. Mit diesem Sieg habe ich bewiesen dass ich trotz meiner Körpermaße ein echter Allrounder bin.

Hattest du dieses Jahr eine spezielle Strategie, Dich aufs Rennen vorzubereiten?

Ich habe eigentlich nichts anders gemacht als sonst. Es ist aber auch immer auch ein Stück weit Glücksache. Letztes Jahr war ich verletzt und habe die ganze Saison mit meiner gerissenen Achillessehne gekämpft. Dieses Jahr ist einfach alles nach Plan gelaufen. Manchmal kann eine kleine Erkältung oder ein verrissenes Kreuz die ganze Saison versauen. Davon bin ich in diesem Jahr zum Glück verschont geblieben. Ich bin mir sicher, dass ich wieder an meine beste Saison 2013 anknüpfen kann.

Das muss psychisch ganz schön hart sein: Immer aufpassen zu müssen, dass bloß nichts passiert.

Ja, das ist der Horror manchmal. Man achtet auf jede Kleinigkeit am und im Körper. Das geht so weit, dass man beim kleinsten Kratzer oder selbst bei einem eingewachsenen Haar schon die Krise kriegt. Als gestern der Startschuss fiel, habe ich richtig aufgeatmet. Ich wusste: Jetzt kann nichts mehr schief gehen.

Zurück zum Rennen. Wenn man da einsam und alleine vorne weg fährt, woher weiß man denn, wie nah die Verfolger an einem dran sind?

Ja, das ist schon ein Problem. Wir dürfen ja kein Funk verwenden über den wir so etwas mitbekommen können. Nur an der Feed Zone erfährt man etwas über den Abstand. Aber in der Zeit zwischen den Verpflegungsstellen kann sich ja viel tun, wenn deine Verfolger eine Attacke starten. Ich habe folgende Strategie: Oft sind große Teile der Strecke gut einsehbar, wenn es zum Beispiel in Serpentinen bergauf geht. Ich sehe also meine Verfolger in der Ferne. Dann merke ich mir einen Fixpunkt wie zum Beispiel eine Hütte oder einen Holzscheit und stoppe die Zeit wann die Verfolger den Punkt passieren. So kann ich ungefähr den Abstand einschätzen.

Hattest du überhaupt Probleme bei diesem Rennen?

Das Feld der Frauen musste leider vor den Herren starten. Die letzten zwei Damen habe ich erst in der ersten Abfahrt überholen können. Das war ziemlich tricky auf diesem losen Geröll. Ja und dann hat mich auf der Abfahrt vom Pordoi Paß ein Auto fast abgeräumt.

Wie kann das sein, wenn der Kurs gesperrt war?

An dieser Stelle kreuzte der Kurs die Straße. Da war zwar ein Ordner der den Verkehr aufhalten sollte aber trotzdem stand da plötzlich ein Auto im Weg. Als ich vorbei fuhr verlor die Fahrerin am Steuer die Nerven und hat Gas gegeben. Ich lag auf der Motorhaube und das Bike halb unterm Auto. Zum Glück hat die Lady dann doch noch die Bremse gefunden. Sonst wäre mein Vorderrad Matsch gewesen. Im Schockzustand bin ich danach noch schneller weiter gefahren.

Das Rennen wurde live übertragen. Überall Kameras und Helikopter. Die Zuschauer im Zielraum sahen die letzten Kilometer aus Sicht eines E-Bikers, der dich verfolgte. War das motivierend für Dich?

Ja, für einen Marathon war die mediale Berichterstattung schon bahnbrechend. Und das hat mich extrem gepusht. Allerdings ist mir der E-Biker ganz schön nahe gekommen. Ich kenne den, mit dem bin ich schon Rennen gefahren. Eigentlich ist er gar nicht so schnell. Das hat mich nervös gemacht. Was wenn er jetzt die Kontrolle verliert und mir hinten drauf fährt? Aber zum Glück ist alles gut gegangen.

Wie geht es jetzt weiter? 

Also die WM ist für mich schon das Größte im Jahr. Auch wenn ich darauf hin arbeite, jedes Rennen zu gewinnen, richte ich ganz klar den Fokus auf die WM. Die Transalp Challenge ist ein weiteres, wichtiges Etappenrennen für mich. Aber das wichtigste Rennen in diesem Jahr nach der WM ist der Leadville 100 in Colorado. Vor zwei Jahren habe ich dort den Streckenrekord gebrochen. Diese Zeit möchte ich dieses Jahr nochmal deutlich unterbieten. 

 

Alban, viel Glück dabei und eine gute Zeit!