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Michael Kaiser, Leiter der Abteilung Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung, arbeitet seit 2007 bei Canyon. Als ausgewiesener Experte für faserverstärkte Kunststoff-Verbunde hat er seine Doktorarbeit über Leichtbau im Rennradbau geschrieben. Michael Kaiser ist mit Canyon in mehreren Forschungsallianzen und Kooperationen engagiert, in denen neue Materialien und Lösungsansätze erforscht werden. Schon in seinem Ingenieursstudium hat der passionierte Radfahrer den Willen zur Perfektion gezeigt. In seiner Doktorarbeit hat er alles in die Waagschale gelegt, um das beste Bike der Welt zu bauen. Er betreut die Canyon Entwicklungen von der ersten Idee bis zur Serienreife.

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Wie kommt man als Spezialist für Faserverbundwerkstoffe zu Canyon?

Ich arbeitete in Kaiserslautern am Institut für Verbundwerkstoffe. Das ist eines der größten Forschungsinstitute in Deutschland, die sich mit diesen Werkstoffen beschäftigen. Im Jahr 2003 stand Roman Arnold auf Empfehlung eines Faserherstellers bei uns vor der Tür und hat gesagt, er bräuchte ein Carbonrennrad – und zwar das beste Rennrad der Welt, wenn’s geht. Damals hat mein Vorgesetzter gesagt: „Herr Kaiser, da ist der Herr Arnold aus Koblenz, wir starten mal eine Kooperation.“ Innerhalb dieses Forschungsvorhabens haben wir dann den ersten F10 Rahmen entwickelt, den wir 2004 auf der Eurobike vorgestellt haben.

Also hat die Entwicklung des F10 Rahmens von den enormen Ressourcen des Instituts profitiert?

Am Institut hat man die Unterstützung einer kompletten Forschungsabteilung. Da gibt es Konstruktionsabteilungen, Berechnungsabteilungen, Werkstoffwissenschaftler, Fertigungstechniker ... Das Gute in so einem Institut ist: Es gibt einen, der das Projekt quasi betreut, begleitet und leitet, aber man hat Support aus allen Abteilungen. Das war ein Riesenvorteil. So konnte man solch eine Entwicklung in einem so kurzen Zeitraum umsetzen.

Am Beispiel des Ultimate CF SLX sieht man, dass Canyon eher einen puren, schnörkellosen Weg geht. Eine Art Understatement, das hervorragend funktioniert und noch gut aussieht dabei?

Wir versuchen natürlich schon, ästhetische Rahmen zu machen, ganz klar. Aber Canyon ist eine Marke, die sehr stark technisch geprägt ist. Wir mögen es technisch, funktional, sauber, clean. Das sind unsere Ziele bei jeder Entwicklung. Wir machen nichts, was der Rahmen nicht braucht. Alles, was an so einem Rahmen dran ist, ist begründet.

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Ist diese Einfachheit der Formgebung ein bewusster Stil oder eher einfach bedingt durch die Leistungen, die ein Rahmen er- zielen muss?

Diese Rahmenform hat sich damals schon am Institut entwickelt. Wir hatten ein Computerprogramm geschrieben, um diese Form zu generieren. Diese Rohrformen und die Shapes, warum das vorne dick und hinten dünn oder breit und hoch ist, das ist aus dem Optimierungsalgorithmus entstanden. Der zweite F10 war quasi noch mal eine Optimierung. Das heißt, dass wir uns nicht hinsetzen und sagen‚ wir haben jetzt ein Rad gemacht und dann knüllen wir das zusammen, werfen es in den Mülleimer und fangen wieder von vorne an, sondern da steckt auch eine Evolution, eine Geschichte hintendran. Wenn Du immer leichter werden willst, wenn Du immer steifer werden willst, wenn Du neue Features reinbringen willst, dann musst Du weiterentwickeln, wie das in anderen Branchen auch der Fall ist. Man muss aus dem Bestehenden heraus den nächsten Schritt gehen.

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Die Werkstoffe entwickeln sich ja auch weiter.
Carbon ist ja nicht gleich Carbon?

Letztlich ist Carbon ein kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff. Es ist ein Verbund- werkstoff, weil man zwei Materialien miteinander kombiniert: Das sind Kohlen- stofffasern, die man in eine Matrix einbettet. Diese Matrix ist wahrhaftig Plastik, auf Englisch „plastics“. Wir ver- wenden in solchen Hochleistungsanwen- dungen sehr hochwertige Kunststoffe, um diese Fasern stabil zu halten. Das Schöne an diesem Werkstoff ist, dass man eine unendliche Anzahl an Gestaltungsmöglichkeiten hat. Ich kann Tausende von verschiedenen Fasern mit Tausenden von verschiedenen Kunststoffsystemen zu- sammenbringen, ich kann diesen Ver- bundwerkstoff genau auf die Anwendung, Beanspruchung oder Anforderung ausrichten, die ich brauche. Man kann das Material sehr steif oder sehr weich machen, man kann es flexibel, elastisch oder plastisch, ja sogar wärme- oder elektrisch leitfähig machen. Man kann eigentlich alles machen.

Neben Carbon halten auch noch andere, exotische Werkstoffe Einzug in den Fahrradbau. Canyon verbaut in den Sattelstützen Basalt, was zusätzlichen Komfort bringen soll. Wie bringe ich das zusammen, bei Basalt denke ich doch eher an steinhart als an komfortabel?

Man kann auch Basalt schmelzen und aus dieser Schmelze Fasern spinnen. Diese Fasern haben tolle Eigenschaften. Sie sind sehr nachgiebig, sie flexen stark. Wenn man sie später wieder mit einem Kunststoff in Verbindung bringt, haben sie die Eigenschaft, dass sie sehr stark dämpfen. Das ist der große Vorteil von Basaltfasern und das ist auch der Grund, weshalb wir gesagt haben, okay, wir werden mal versuchen, Basaltfasern in unsere Sattelstützen mit einzubauen und messen mal die Steifigkeit, die Nachgiebigkeit und den Komfort.

Wie kommt man mit diesen exotischen Werkstoffen in Berührung?

Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit, dass man immer versucht, sich auf dem neuesten Stand zu halten. Wir stehen mit sehr vielen Firmen permanent in Kontakt, wir haben Anfragen, wir besuchen Materialmessen, um uns auf dem neuesten Stand zu halten. Und wenn da eine Faser oder ein Material angeboten wird, das für uns interessant sein könnte, dann tritt man mit der Firma in Kontakt, baut ein Muster, probiert es aus, und wenn das vielversprechend aussieht, geht’s weiter.

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Wie sieht denn die Zukunft in Sachen Werkstoff aus?
Nanotechnologie scheint da ein Thema zu sein ...

Also, was diese Nanotechnologie angeht, davon verspricht man sich natürlich sehr viel. Es ist auch generell eine Schlüssel technologie in den Werkstoffwissenschaften. Deshalb haben wir uns auch an einem Forschungsvorhaben beteiligt und arbeiten da quasi als Endanwender aktiv mit. Grundsätzlich ist es eben so, dass man mit Nanopartikeln zwei Eigenschaften eines Materials, die sich normalerweise gegenseitig ausschließen, zugleich verbessern kann.

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So gesehen setzt Canyon auch Trends.

Also, es gibt einige Dinge, bei denen ich sagen kann: Canyon hat da den Anstoß gegeben und hat es zur Marktreife gebracht. Die konischen Gabelschaftrohre beispielsweise, die wir auf der Eurobike 2004 vorgestellt haben, sind heute nicht mehr wegzudenken. Fast alle Hochleistungsrennräder verfügen heute über konische Gabelschäfte. Wir haben die damals im großen Stil in den Markt eingeführt und das wurde dann von vielen übernommen. Das ist natürlich auch eine tolle Bestätigung, wenn man eine Vorreiterrolle einnimmt.