Rennrad-Geometrie erklärt: Dein ultimativer Guide zum Rahmendesign
Die Geometrie eines Rennrads definiert sein Design und sein Fahrverhalten. Aber wie genau? Schauen wir mal genauer hin.
Die Geometrie eines Bikes bestimmt letztlich sowohl seine Größe als auch sein Handling auf der Straße. Bike-Geometrie kann etwas kompliziert sein, aber wir machen es so verständlich wie möglich – und vergleichen dabei die verschiedenen Canyon-Modelle von Rennrädern über Endurance-Bikes bis hin zu Cyclocross-Bikes.
Inhalt
Was ist Rennrad-Geometrie und warum ist sie wichtig?
Am einen Ende des Spektrums stehen Rennräder. Oft als aggressiv beschrieben, sind sie sehr direkt und reaktionsfreudig. Deine Sitzposition auf einem Rennrad ist tiefer und gestreckter, was deine Beweglichkeit und deinen Komfort auf längeren Strecken beinflusst.
Die Rohre von Rennrädern sind meist aerodynamisch geformt und steif, um die Kraftübertragung zu maximieren. Einfach gesagt: Diese Rennräder sind für Geschwindigkeit, Effizienz und den ersten Platz an der Ziellinie gebaut.
Am anderen Ende des Spektrums liegen Endurance-Roadbikes. Mit ihrer etwas aufrechteren, entspannten Sitzposition sind sie auf langen Fahrten komfortabel und geschmeidig. Du kannst deinen Freunden auf der Straße zwar trotzdem hinterherjagen, aber ein Endurance-Bike ist weniger aerodynamisch und nicht ganz so reaktionsfreudig wie ein Rennrad.
Wie beeinflusst die Rahmengröße die Geometrie?
Die Rahmengröße bestimmt, wie ein Bike sich fährt; größere Rahmen verhalten sich anders als kleinere. Die Rahmengröße beeinflusst auch subtil die Geometrie. Aufgrund längerer Rohre kann ein größerer Rahmen etwas weniger steif sein als ein kleinerer. Das bedeutet zwar eine leicht ineffizientere Kraftübertragung, erhöht aber den Komfort auf längeren Strecken.
Ein kleinerer Rahmen lässt weniger Platz für große Laufräder. Deshalb statten wir unsere kleineren Rahmen mit kleineren Laufrädern aus, um Übertritt (wenn der Fuß beim Lenken am Vorderreifen schleift) zu vermeiden, eine ausgewogenere Gewichtsverteilung und agiles Handling zu gewährleisten und das Lenksverhalten vergleichbar mit größeren Bikes mit 700C-Laufrädern zu halten. Unsere Rennräder und Gravel-Bikes sind deshalb auch mit 650b-Laufrädern erhältlich.
Die richtige Größe finden mit effektivem Stack und Reach
Vielleicht sind Stack und Reach die zwei wichtigsten Werte in jeder Geometrie-Tabelle. Die Größenangaben zwischen Modellen und Herstellern können variieren, auch wenn zwei Bikes die gleiche Größe haben. Ein Canyon Aeroad in Größe M fühlt sich anders an als ein Canyon Endurace in Größe M, weil sich Stack und Reach unterscheiden.
Stack ist die vertikale Höhe vom Tretlager bis zur Oberkante des Steuerrohrs, Reach die horizontale Distanz vom Tretlager bis zum Steuerrohr. Ein längerer Reach bedeutet, dass du weiter gestreckt auf dem Bike sitzt, mit weiter vorne liegenden Händen. Ein größerer Stack steht für eine aufrechtere Sitzposition.
Stack and reach: the traditional starting point
Stack und Reach geben dir eine gute Idee von deiner Sitzposition, aber es kann kompliziert werden. Reach hilft besonders, wenn du ähnliche Rennräder vergleichst. Viele moderne Bikes haben einen längeren Reach, aber kürzere Vorbauten, was mehr Kontrolle über das Vorderrad bringt. Ein längerer Radstand bedeutet meist längeren Reach und sorgt für mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten.
Bevor du dein neues Canyon bestellst, notiere dir die Stack- und Reach-Werte deines aktuellen Bikes. Wenn du weißt, welche Fahrcharakteristik dein neues Bike haben soll, such nach Stack- und Reach-Maßen, die deinen bisherigen Werten möglichst nahekommen.
Ist Stack oder Reach wichtiger? Das hängt von deinem Fahrstil ab. Reach spielt bei aggressivem, rennorientiertem Fahren eine größere Rolle, da er für eine eher gestreckte, aerodynamische Position sorgt. Für Endurance, Gravel oder entspanntes Fahren ist der Stack oft wichtiger, weil er eine erhöhte Front für mehr Komfort auf langen Touren bietet.
Effektiver Stack und Reach
Canyon geht bei der Geometrie noch einen Schritt weiter: Basierend auf deiner Handposition am Bremsgriff berechnen wir effektiven Stack und Reach, die dein tatsächliches Fahrgefühl besser widerspiegeln.
Der effektive Stack ist die vertikale Höhe vom Tretlager bis zu dem Punkt, an dem du die Brems-Schalthebel (die sogenannten „Hoods“) greifst, während der effektive Reach den horizontalen Abstand bis zu genau diesem Punkt beschreibt. Diese Werte berücksichtigen die Vorbaulänge, Form des Cockpits und die verbauten Spacer. Die Sitzposition auf einem Canyon Grail ist z. B. durch die Spacer aufrechter (größerer Stack) als auf einem Canyon Aeroad.
Effective stack
Effective stack is the vertical distance between the bottom bracket and your hood position, essentially how high the front of the bike feels when your hands are on the bars. You notice it straight away: a higher effective stack puts you in a more upright, relaxed posture, while a lower one drops your torso for a flatter, faster position.
When comparing road bikes, more race-focused bikes sit lower, like the Aeroad at 642 mm (size M), putting you in a properly low, slammed aero position. Comfort-focused endurance bikes sit higher, with the Endurace at 675 mm (size M) lifting the front end for a more relaxed fit for longer rides.
Effective reach
Effective reach is the horizontal distance between the bottom bracket and your hood position. It tells you how far you reach to the bars and how stretched or compact your riding position feels. A longer effective reach puts you in a more extended posture, while a shorter one brings the bars closer for a steadier, more upright feel.
When comparing road bikes, more race-focused setups run a longer reach, like the Aeroad at 563 mm (size M), giving you that flat, fast position riders look for when chasing maximum aero. Comfort-focused bikes sit shorter, with the Endurace CFR and CF SLX at 547 mm (size M), bringing the front end in slightly for a more upright all-day fit.
Neben Stack und Reach gibt es noch weitere wichtige Geometrie-Maße.
Überstandshöhe
Die Überstandshöhe ist wichtig, weil du bei einem Stopp mit beiden Füßen den Boden erreichen solltest (nicht auf Zehenspitzen). Sie wird vom Mittelpunkt des Oberrohrs bis zum Boden gemessen.
Sitzrohrlänge
Gemessen wird die Sitzrohrlänge vom Zentrum des Tretlagers bis zum Sitzrohrende. Sie zeigt, wie viel Sattelstütze sichtbar ist.
Interessanterweise beeinflusst die Sichtbarkeit der Sattelstütze das Fahrgefühl. Eine wenig sichtbare Stütze macht das Bike steifer, eine mehr Sichtbare sorgt für mehr Flex und Komfort.
Steuerrohrwinkel
Der Steuerrohrwinkel beeinflusst die Stabilität. Ein weiter vorne stehendes Vorderrad verlängert den Radstand und macht das Bike bei hohen Geschwindigkeiten stabiler.
Dies ist besonders wichtig bei Mountainbike-Geo.
Sitzrohrwinkel
Horizontal gemessen vom Sitzrohr ist der Sitzrohrwinkel. Es bestimmt, wie sehr du über Pedale und Tretlager fährst. Ein steiler Winkel bedeutet mehr über den Pedalen zu sein, was Rennfahrer, Zeitfahrer und Triathleten bevorzugen.
Er fördert eine tiefere Sitzposition und schont die Oberschenkelmuskulatur bei langen Fahrten. Ein flacherer Winkel ist etwas weniger effizient, aber komfortabler.
Canyon-Rennräder nutzen einen ausgewogenen Sitzrohrwinkel von 73,5°, der dich zentral auf dem Bike positioniert – ideal auf flachen Strecken und Anstiegen. Zum Vergleich: Das Speedmax-Triathlonrad bringt einen extrem steilen Sitzwinkel von 80,5° mit – für eine kompromisslos aggressive Aero-Position direkt über oder sogar leicht vor dem Tretlager.
Kettenstrebenlänge
Die Kettenstrebenlänge hängt eng mit dem Radstand zusammen. Rennräder haben oft kürzere Kettenstreben für wendiges Handling. Das Endurace, das Komfort und Stabilität ausstrahlt, hat mit 415 mm (Größe L) etwas längere Kettenstreben als das Ultimate mit 413 mm – der kleine Unterschied von 2 mm ist aber spürbar.
Radstand
Der Radstand ist der Abstand zwischen den Naben der Laufräder. Je länger, desto stabiler das Fahrverhalten. Zum Beispiel hat das Canyon Ultimate (Größe L) mit 1.003 mm einen kürzeren Radstand und damit ein direkteres Fahrgefühl als das Grizl Gravel-Bike mit 1.050 mm Radstand.
Chainstay length
Chainstay length is closely linked to the overall wheelbase of a road bike. Race bikes typically feature shorter chainstays to keep the handling agile and reactive. The Endurace, which prizes comfort and stability on the road, has a slightly longer chainstay, 415 mm (size L) than the Ultimate’s 413 mm; 2 mm difference may seem like a minute amount, but you can feel the difference on the bike.
Tretlagerabsenkung
Die vertikale Differenz zwischen der Tretlagerlinie und der Linie zwischen den Radachsen ist die Tretlagerabsenkung. Auch „Bottom Bracket Drop“ genannt, beeinflusst sie die Stabilität. Eine größere Absenkung bedeutet einen tieferen Schwerpunkt.
Beispielsweise haben Cyclocross-Bikes wie das Canyon Inflite eine geringere Absenkung als das Canyon Aeroad, weil sie auf Hindernisse auf dem Kurs vorbereitet sein müssen.
Reifenfreiheit
Die Reifenfreiheit ist ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Rennrads, da sie bestimmt, welche Reifenbreiten passen und wie vielseitig das Bike ist.
Früher galt: Je schmaler der Reifen, desto besser. Viele Profis fuhren jahrelang auf 19 mm Reifen. Doch durch Studien, die breitere Reifen empfehlen, und technische Fortschritte wie Scheibenbremsen sind heute 25 mm oder 28 mm Reifen Standard.
Bikes mit größerer Reifenfreiheit sind besser für Offroad-Touren geeignet. Breitere Reifen erhöhen den Komfort, bringen aber auch mehr Rollwiderstand – hier musst du deine ideale Balance finden.
Top tube length
Top tube length used to be one of the main ways to compare bike fit, but it matters far less on modern road and gravel bikes. Most frames no longer use a perfectly horizontal top tube, which makes the measurement harder to interpret, and it doesn’t reflect where your hands or upper body actually sit when you are riding.
Because of this, top tube length has largely been replaced by effective stack and effective reach as the most reliable indicators of real-world fit and position.
Head tube length
Head tube length feeds directly into a bike’s stack measurement. A shorter head tube lowers the front of the bike, giving you a flatter, more tucked position, while a longer head tube raises the front end for a more upright, relaxed posture.
Just like top tube length, head tube length matters far less on modern bikes when it comes to choosing the right size. Because it only describes the frame and not your true hand position, effective stack now provides a much clearer and more reliable picture of how high the front of the bike will feel when you are actually riding.
Advanced geometry
Some parts of a bike’s handling come from measurements you will not find on a standard geometry chart, but they still have a big influence on how the bike feels when you ride it.
Fork rake is the distance between the fork blades and the steering axis, measured at the front axle. More rake pushes the front wheel further forward and gives the steering a quicker, lighter touch. Less rake keeps the wheel closer in, increasing trail (see below) and adding stability when the speed picks up. It’s one of the key ways designers tune a bike to feel sharper or more settled at the bars.
Trail is the distance between where your front tyre touches the ground and where the steering axis would meet the ground if it continued downward. In simple terms, it shows how far the contact patch “follows” behind the steering axis. More trail gives the bike a calmer, more planted feel at speed. Less trail makes the front end quicker and more agile. Together with fork rake, it sets the balance between stability and a more lively, responsive ride.
Canyon Rennrad-Geometrie-Kategorien und Vergleiche
Wenn dir das jetzt alles zu viel Info ist, keine Sorge. Wir erklären dir die wichtigsten Zahlen und Begriffe anhand der Rennrad-Typen.
Racebike-Geometrie – Aggressiv und aerodynamisch
Beim Blick auf Ultimate und Aeroad SLX 8 Ultegra Di2 (Größe M) sind die Zahlen sehr ähnlich. Beide haben den gleichen Stack (560 mm), Reach (393 mm), Kettenstrebenlänge (410 mm) und Radstand (988 mm). Das Aeroad hat eine etwas höhere Überstandshöhe (810 mm) und ein längeres Oberrohr (559 mm) als das Ultimate (803 mm und 555 mm).
Was heißt das in der Praxis? Frühere Aeroad-Versionen hatten eine deutlich aggressivere Geometrie, um die aerodynamischen Rohre optimal zu nutzen. Nach Feedback aus dem Profipeloton, unter anderem vom Grünen-Trikot-Gewinner der Tour de France Jasper Phillipsen, hat Canyon die Sitzposition etwas entspannt und sich für die Pro-Sport-Geometrie des Ultimate entschieden. Das längere Oberrohr des Aeroad streckt dich minimal mehr und sorgt für eine leicht aerodynamischere Pedalposition.
Endurance-Rennrad-Geometrie – Komfort für lange Strecken
Im Vergleich zu Rennrädern ist die Endurace-Geometrie entspannter, aber trotzdem schnell. Die Endurace (Größe M) hat mit 590 mm einen um 30 mm höheren Stack als Ultimate und Aeroad, während der Reach mit 378 mm kürzer ist – für eine entspanntere Sitzhaltung. Die längeren Kettenstreben (415 mm) und der längere Radstand (993 mm) sorgen für mehr Stabilität.
Das Endurace ist ein großartiges Roadbike für Einsteiger:innen und erfahrene Fahrer:innen gleichermaßen.
Aero-Rennrad-Geometrie – Geschwindigkeit und Effizienz
Sowohl das Aeroad als auch das Speedmax wurden entwickelt, um den Wind zu durchschneiden – und zählen zu den schnellsten Bikes ihrer Kategorien. Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie unterschiedlich die Geometrien tatsächlich sind.
Das Aeroad in Größe M kommt mit einem Stack von 560 mm, einem Reach von 393 mm, 410 mm langen Kettenstreben und einem Radstand von 988 mm – ein Setup, das Geschwindigkeit und Agilität mit Komfort auf langen Distanzen kombiniert. Zum Vergleich: Das Speedmax hat einen Stack von 489 mm, einen Reach von 438 mm, 420 mm Kettenstreben und einen Radstand von 1.014 mm – ein Bike, das dich in die Länge zieht und bei hohem Tempo maximale Stabilität bietet. Kein Rad für den entspannten Sonntagsride mit Freund:innen – sondern eins, das gebaut wurde, um beim Triathlon oder Zeitfahren ganz vorne zu landen.
Cyclocross-Geometrie – Vielseitigkeit und Stabilität
Ein Cyclocross-Bike ist ein echtes Multitalent – designt für aggressive Rennen, aber mit der Stabilität eines Offroad-Bikes. Das Inflite liegt mit einem Stack von 572 mm zwischen Endurace und Ultimate, bietet mit 393 mm Reach denselben Wert wie das Aeroad. Die Kettenstreben (425 mm) und der Radstand (1.018 mm) sind sogar länger als beim Speedmax.
Zwar wurde das Inflite primär für CX-Rennen gebaut – doch auch mit Slicks kannst du es auch locker auf Gravel- oder schnelle Roadrides mitnehmen.
Wie findest du die richtige Rennrad-Geometrie?
Welche Rennrad-Geometrie am besten zu dir passt, hängt ganz von deinem Fahrstil und deinen Zielen ab. Willst du schnell sein und lokale Rennen dominieren, bist du mit der aggressiven Geometrie des Aeroad oder Ultimate gut beraten. Für lange Strecken mit mehr Komfort ist das entspannte Endurace die richtige Wahl. Du träumst vom nächsten Triathlon? Dann hilft dir die super aggressive, gestreckte Geometrie des Speedmax weiter. Und wenn du ein vielseitiges, stabiles Bike für den Offroad-Einsatz suchst, dann sollte das Inflite auf deiner Liste landen.
Du willst tiefer ins Canyon Rennrad-Lineup eintauchen? Dann schau dir unseren Rennrad-Ratgeber an.
Wenn du Geometrien direkt vergleichen willst, nutze einfach unser Bike-Vergleichstool. Den Link findest du unten auf der Seite – wähle bis zu drei Modelle aus und vergleiche Geometrie, Ausstattung und vieles mehr. Und wenn du noch unsicher bist, buch am besten eine Probefahrt in einem unserer Testzentren – zum Beispiel im Canyon Showroom in Carlsbad (Kalifornien) oder an einem Testride-Standort in Europa.
Gut zu wissen: Wenn du nach ein paar Ausfahrten doch lieber auf ein anderes Modell wechseln willst, kannst du dein Bike dank Canyons großzügiger 30-Tage-Rückgaberegelung ganz unkompliziert umtauschen.
FAQs - Road bike geometry
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Über den AutorRobert Annis
Robert Annis ist ein preisgekrönter Journalist für Outdoor-Reisen. Als erfahrener Autor und Sportbegeisterter schreibt er Geschichten, die inspirierend sind und bei denen es vor allem ums Rennradfahren geht. Gut möglich, dass du einen von Roberts Artikeln schon bei Bicycling, National Geographic, Outside, Travel + Leisure, Inside Hook, AARP, Midwest Living, Sierra, Hemispheres, Departures, Lonely Planet, Afar, Los Angeles Times, Chicago Tribune, RV Magazine oder Hidden Compass gelesen hast.