Sieben Tage. 3.826,47 Kilometer.
Wie Alex McCormack 77 % einer Woche auf seinem Canyon verbrachte – und dabei einen neuen Distanz-Weltrekord aufstellte.
Wie weit ist weit genug?
Im März 2026 stellte Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing Athlet Alex McCormack einen neuen Guinness-Weltrekord für die größte in sieben Tagen zurückgelegte Distanz auf (aufrechtes Fahrrad, ohne Windschatten): 3.826,47 Kilometer entlang der Mosel, unweit des Canyon Hauptsitzes in Koblenz.
Mit einem Schnitt von knapp 30 km/h – über täglich 18 Stunden im Sattel – kämpfte Alex gegen eisigen Regen, Schlafentzug und zunehmende Erschöpfung. Am Ende sicherte er sich den Rekord mit einem entscheidenden Schlusstag über 727 Kilometer – mit gerade einmal 13 Kilometern Vorsprung.
Hier ist die Geschichte dieses Abenteuers – in seinen eigenen Worten.
ALEX:
Die Idee für den Rekord kam beim Trainingslager im Februar mit Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing auf. Die Canyon Jungs haben gefragt, ob ich neben dem Rennkalender noch „außerplanmäßige“ Projekte habe. Ich hatte schon länger im Hinterkopf, dass das hier möglich sein könnte. Sie waren direkt interessiert – also haben wir losgelegt. Das Timing war nicht perfekt, das Wetter konnte schwierig werden. Aber es war das einzige Zeitfenster vor meinen großen Saisonzielen.
Die Vorbereitung war dann ziemlich kurz – etwa ein Monat. Für so ein Projekt wahrscheinlich eher wenig. Das Speedmax CFR bin ich zum ersten Mal eine Woche vor dem Versuch gefahren, und meine längste Einheit darauf waren zweieinhalb Stunden. Nicht ideal, aber zumindest das Setup war vielversprechend: maximale Aerodynamik, Exposure Lights, eine Tailfin R+D Rahmentasche für die Verpflegung, dazu ein Ryzon Myth Skinsuit im Teamdesign und der Abus Gamechanger TT 1.1 Aero-Helm.
Am Tag davor sind wir die Strecke abgefahren, haben groß eingekauft und ich habe mir – inspiriert von Lael Wilcox – den Kopf rasiert. Über 600 Euro im Supermarkt, einfach alles mitgenommen, was irgendwie funktionieren könnte. Beschäftigt zu bleiben statt zu viel nachzudenken hat geholfen. Am Abend hat es mich dann doch eingeholt: Ich hatte mir mental kaum Raum dafür gegeben. Alles ging ziemlich schnell. Ich wusste: Das wird ein richtig harter Kampf. Normalerweise hilft es mir, mich vorher bewusst darauf einzulassen. Diesmal war das nicht der Fall.
Der Plan: 600 Kilometer alle 24 Stunden auf einer 150 Kilometer langen Wendestrecke entlang der Mosel. Unser Quartier war ein Hotel nahe des Canyon HQ in Koblenz. Kleines Team, kein Begleitfahrzeug auf der Strecke. Nach jeder Runde zurück, essen, umziehen, vielleicht schlafen – und wieder raus. Ziel waren 18 bis 20 Stunden Fahrzeit pro Tag, mit 4 bis 5 Stunden Pause.
Tag eins lief gut. Es war so windig, dass ich zwischenzeitlich aus der TT-Position gehen musste, aber ich war trotzdem schnell. Die Beine waren gut, alles hat sich kontrolliert angefühlt. Eine Mischung aus Schnee, Graupel, Sonne und Regen – aber insgesamt war es sogar einer der besseren Tage.
Am ersten Morgen habe ich meinen Wecker nicht gehört und verschlafen. Neues Handy, Lautstärke quasi aus. Ich bin nur wach geworden, weil das Team schon unterwegs war. Ein erster Reality-Check: Jede Minute zählt. Eine Woche klingt lang – ist es aber nicht.
Ab Tag zwei wurde es schwierig. Mein Knie hat sich gemeldet, vermutlich wegen des neuen Setups. Bike, Pedale, Schuhe – alles neu.
Ernährung wurde zum zentralen Thema. Ich habe täglich zwischen 10.000 und 13.000 Kalorien verbrannt – man ist ständig im Defizit. Es geht nur darum, so viel wie möglich reinzubekommen. Das habe ich größtenteils dem Team überlassen. Je länger es dauert, desto weniger Hunger hat man – dann brauchst du Leute, die dich weiter antreiben. Wegen der Kälte habe ich viel warme Sachen gegessen: Porridge, Toasties, heiße Schokolade, Tee.
Zwischen Tag zwei und fünf war das Wetter gnadenlos. Selbst die besseren Tage waren nachts eisig. Null-Grad-Regen – sofort komplett durchnässt, dazu die Kälte durch den Fahrtwind. Das Team war permanent damit beschäftigt, trockene Kleidung bereitzuhalten. Ich brauchte ständig warme Mahlzeiten, um überhaupt zu funktionieren. Gleichzeitig wollte ich so aerodynamisch wie möglich bleiben – also kaum zusätzliche Schichten. Mir war fast durchgehend kalt. Duschen zwischen den Runden wurde zur Routine, einfach um wieder warm zu werden. Nicht effizient, aber notwendig. Viel Zittern – auch auf dem Bike.
Dazu kamen zwei Platten. Ein klarer Fehler in der Vorbereitung. Unterwegs konnte ich sie nicht richtig reparieren, also musste das Team rauskommen. Jedes Mal 30 Minuten oder mehr Stillstand – und man merkt sofort, wie die Zeit davonläuft. Der zweite Platten an Tag fünf war ein richtiger Tiefpunkt. In dem Moment schien der Rekord plötzlich außer Reichweite.
Mit der Zeit haben auch meine Nackenmuskeln zugemacht. Ich wusste, dass das kommt – aber angenehm war es nicht. Ich habe einen relativ langen Nacken, der TT-Helm ist etwas schwerer, dazu die flache Position – das summiert sich. Irgendwann konnte ich kaum noch nach vorne schauen. Wir wollten den Nacken tapen, hatten aber kein Tape mehr. Im Van lag ein Spanngurt. Also haben wir improvisiert. Die Länge hat gepasst – und es hat funktioniert.
Ab Tag sechs wurde es ein Rennen gegen die Zeit. Die Zahlen sagten: Der Rekord ist noch drin – aber nur, wenn wir alles reduzieren. Minimale Stopps. Essen auf dem Bike. Kaum Schlaf.
Der Morgen von Tag sieben war der absolute Tiefpunkt. Eine Stunde Schlaf, dann direkt wieder raus. Alles tat weh: Nacken, Knie, Hände, Gesäß. Ich war kurz davor aufzuhören. Aber nach sechs Tagen? Das kam nicht infrage. Die erste Stunde war brutal, dann ging die Sonne auf – und plötzlich lief es wieder.
In der letzten Nacht wusste ich: Wenn ich mich jetzt zusammenreiße, dann reicht es. Mein Nacken war komplett durch.
Am Ende haben wir den Rekord nur um wenige Kilometer geholt. Der letzte „Tag“ waren 27 Stunden und 727 Kilometer. Ich musste alles rausholen – mehr, als ich erwartet hatte – und irgendwie bleibt ein Hauch Enttäuschung. In meiner Vorstellung war es größer, ich wollte mehr. Das hier war das Minimum für den Erfolg, nicht das Szenario, das ich mir ausgemalt hatte. Aber wenn ich mir die Bedingungen noch mal vor Augen führe, wird sich diese Perspektive wahrscheinlich noch verändern.
Ein riesiges Danke an alle, die das Projekt unterstützt haben – Nachrichten, Leute an der Strecke und vor allem das Team, das jeden Tag alles möglich gemacht hat. Das bedeutet mir sehr viel.
Jetzt geht’s für mich in die USA zu den Rennen – Start ist beim Unbound XL. Mein erstes Mal dort, und ich freue mich drauf.
Alex’ Ride in Zahlen
„Race everything“ – das Motto von Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing. Alex lebt es. Für seinen Rekordversuch setzte er auf das Speedmax CFR: eine aerodynamische Rennmaschine, gebaut, um weiter und schneller zu fahren.
Die Woche im Überblick:
Tag 1: 457,77 km
Tag 2: 602,17 km
Tag 3: 457,90 km
Tag 4: 451,91 km
Tag 5: 524,89 km
Tag 6: 604,08 km
Tag 7: 727,75 km
Gesamt: 3.826,47 km
Ø Distanz pro Tag: 546,64 km
Ø Geschwindigkeit (fahrend): 29,53 km/h
Gesamte Fahrzeit: 5 Tage, 9 Stunden, 34 Minuten (Ø 18 h 30 min/Tag)
Gesamte Stopps: 1 Tag, 14 Stunden, 26 Minuten (Ø 5 h 30 min/Tag)
Effektive Geschwindigkeit (gesamt): 22,78 km/h
Zeit in Bewegung: 77 % der Woche
* Alex’ Rekordversuch wurde von der World Ultra Cycling Association (WUCA), offiziellem Partner von Guinness World Records, bestätigt.
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