Die Geometrie von Rennrädern erklärt: Dein ultimativer Leitfaden zum Rahmenbau

Die Geometrie eines Rennrades oder Gravelbikes bestimmt sein Aussehen und sein Fahrverhalten. Aber wie genau? Schauen wir uns das mal an.

Canyon
Canyon.com Veröffentlicht am: 17 Feb. 2026
Die Geometrie von Rennrädern erklärt: Dein ultimativer Leitfaden zum Rahmenbau Die Geometrie von Rennrädern und Gravelbikes erklärt: Was wirklich wichtig ist

Die Geometrie eines Bikes bestimmt letztendlich sowohl seine Größe als auch seinen Umgang auf der Straße. Die Geometrie des Bikes kann etwas kompliziert sein, aber wir versuchen, es so einfach wie möglich zu erklären, während wir die verschiedenen Arten von Bikes vergleichen, die Canyon anbietet, von Rennrädern über Ausdauermaschinen bis hin zu Gravel  Bikes.  

Die Bike Geometrie ist eine der einfachsten Möglichkeiten, um zu verstehen, wie jedes Drop-Bar Bike passt und sich anfühlt. Egal, ob der Rahmen für glatte Straßen oder raueren Schotter gebaut ist, die Kernmessungen funktionieren auf die gleiche Weise und beeinflussen die gleichen Dinge: Komfort, Stabilität und Handling. In diesem Leitfaden schlüsseln wir die wichtigsten Begriffe auf, erklären, warum sie wichtig sind, und zeigen, wie sie verwendet werden, um die richtige Größe und Setup auszuwählen. 

Man kann es sich als eine einfache Einführung in die Zahlen vorstellen, die jedes moderne Road‑ und Gravelbike prägen. 

Wie wirkt sich die Rahmengröße auf die Geometrie aus?

Die Rahmengröße beeinflusst das Fahrverhalten deutlich; größere Rahmen fahren sich anders als kleinere. Die Rahmengröße wirkt sich auch geringfügig auf die Geometrie aus. Aufgrund längerer Rohre kann ein größerer Fahrradrahmen etwas weniger steif sein als ein kleinerer Rahmen. Während dies eine weniger effiziente Kraftübertragung bedeutet, erhöht dieser kleine Flex den Komfort über längere Strecken.

Kleinere Rahmen lassen auch weniger Platz um das Vorderrad, sodass bestimmte Anpassungen am Vorderrad erforderlich sind, um eine konsistente Fahrdynamik über alle Größen hinweg zu gewährleisten. Diese Veränderungen sorgen dafür, dass das Bike immer noch natürlich lenkt und sich unabhängig von der Größe auf der Straße oder auf Schotter vorhersehbar anfühlt.

Stack und Reach: der traditionelle Ausgangspunkt

Über Jahre hinweg waren Stack und Reach die entscheidenden Werte, wenn es darum ging, die Passform von Rahmen miteinander zu vergleichen. Stack misst die vertikale Höhe vom Tretlager bis zur Oberkante des Steuerrohrs, während Reach den horizontalen Abstand angibt. Gemeinsam vermitteln sie eine grobe Vorstellung davon, wie ausgestreckt oder aufrecht sich ein Bike anfühlen wird. Nützlich? Ja. Abgeschlossen? Nicht ganz.

Stack und Reach zeigen dir, wo der Rahmen endet – nicht, wo du den Lenker tatsächlich in den Händen hast. Und das ist der wirklich wichtige Teil. Deshalb können sich zwei Bikes mit ähnlichen Stack‑ und Reach‑Werten beim Fahren dennoch völlig unterschiedlich anfühlen.

Effektiver Stack und Reach – die wichtigsten Größenmessungen

Um dir ein echtes Gefühl der realen Passform zu vermitteln, haben wir effektive Stack- und Reach-Messungen entwickelt, die darauf basieren, wo deine Hände die Lenker tatsächlich greifen. Wenn du von deiner eigentlichen Kontaktstelle aus beginnst, vermitteln sie ein klareres Bild davon, wie sich das Bike beim Fahren anfühlt, und nicht nur davon, wie der Rahmen geformt ist.

Der effektive Stack und Reach berücksichtigen die Form des Cockpits, die Länge des Vorbaus und die Spacer, mit denen das Bike ausgeliefert wird. Das Ergebnis: Zahlen, die sich direkt darauf auswirken, wie sich das Bike beim Fahren anfühlt.

Effective Stack

Der effektive Stack ist der vertikale Abstand zwischen dem Tretlager und deiner Griffposition an den Hoods, also im Grunde das Maß dafür, wie hoch sich die Front des Bikes anfühlt, wenn deine Hände am Lenker liegen. Du merkst es sofort: Ein effektiverer Stack bringt dich in eine aufrechtere, entspanntere Haltung, während ein niedrigerer deinen Oberkörper für eine flachere, schnellere Position senkt.

Beim Vergleich von Rennrädern liegen stärker rennorientierte Modelle tiefer, etwa das Aeroad mit 642 mm in Größe M, was dich in eine deutlich niedrigere, kompromisslos aerodynamische Position bringt. Komfortorientierte Endurance Bikes sitzen höher, während das Endurace mit 675 mm (Größe M) das Frontend für eine entspanntere Passform für längere Fahrten anhebt.

Bike Geometrie - Effektive Stack
Effective Reach

Der effektive Reach ist der horizontale Abstand zwischen dem Tretlager und deiner Griffposition an den Hoods. Er sagt dir, wie weit du bis zu den Lenkern reichst und wie gestreckt oder kompakt sich deine Fahrposition anfühlt. Eine längerer effektive Reach bringt dich in eine stärker gestreckte Haltung, während eine kürzere Reichweite den Lenker näher zu dir bringt und für ein stabileres, aufrechteres Fahrgefühl sorgt.

Beim Vergleich von Rennrädern haben mehr rennorientierte Setups eine größere Reichweite, wie das Aeroad mit 563 mm (Größe M), was dir eine flache, schnelle Position ermöglicht. Das wollen Fahrer, die maximale Aerodynamik suchen. Komfortorientierte Bikes sind kürzer gebaut; beim Endurace CFR und CF SLX beträgt die effektive Reichweite in Größe M 547 mm. Dadurch rückt das Frontende etwas näher heran, was eine aufrechtere, ganztägig angenehme Sitzposition ermöglicht.

Bei Gravel Bikes verschieben sich die Zahlen wieder. Das Grizl ist bei 544 mm (Größe M), kürzer und somit noch aufrechter, um dir maximale Sicherheit auf rauem und unvorhersehbarem Terrain zu bieten.

Bike Geometrie - Effektive Reach
Typische Geometrie-Maße und warum sie wichtig sind

Obwohl effektiver Stack und Reach die beiden wichtigsten Maße sein können, die beim Kauf oder Einbau eines Fahrrads zu berücksichtigen sind, gibt es auch mehrere andere Geometriemessungen, die zu berücksichtigen sind.

Überstandshöhe

Die Überstandshöhe ist beim Bike-Kauf superwichtig, weil du im Stand mit beiden Füßen sicher den Boden erreichen musst. (Es wird sich nicht gut anfühlen, wenn du bei jeder Ampel auf Zehenspitzen stehen musst!) Um die Überstandshöhe eines Rennrads zu ermitteln, misst man vom Mittelpunkt des Oberrohrs bis zum Boden.

Bike-Geometrie – Überstandshöhe

Sitzrohrlänge

Der Abstand zwischen der Mitte des Tretlagers und der Oberkante des Sitzrohrs – die Sitzrohrlänge – zeigt an, wie viel von deiner Sattelstütze sichtbar sein wird, wenn du das Fahrrad einstellst.

Komischerweise hat die Menge an sichtbarer Sattelstütze tatsächlich Einfluss darauf, wie sich dein Bike beim Fahren anfühlt. Sehr wenig sichtbare Sattelstütze bedeutet, dass sich das Rennrad insgesamt deutlich steifer anfühlt. Wenn viel Sattelstütze ausgezogen ist, spürst du mehr Flex – und der Ride wird spürbar komfortabler.

Bike-Geometrie – Sitzrohrlänge

Lenkwinkel

Der Lenkwinkel – also der Winkel, in dem das Vorderrad im Verhältnis zum Steuerrohr steht – trägt wesentlich zur Stabilität eines Fahrrads bei. Wenn das Vorderrad eines Fahrrads weiter vorne sitzt, wird der Radstand länger, und das Bike ist in der Regel bei hohen Geschwindigkeiten deutlich stabiler.

Dieser Parameter ist einer der wichtigsten Aspekte der Mountainbike-Geometrie.

Bike-Geometrie – Lenkwinkel

Was bedeutet ein steiler oder flacher Lenkwinkel?

Vergleicht man das Aeroad, unser monumenterprobtes Speedbike, mit dem Grizl, werden die Unterschiede sofort deutlich. Das Aeroad in Größe M hat einen recht steilen Lenkwinkel von 73,25 Grad. Das gibt dem Bike ein schnelles Handling, das Rennradfahrer der Spitzenklasse verlangen. Das Grizl wurde für lange Schotterfahrten mit einem flacheren, 71-Grad-Lenkwinkel entwickelt. Das macht die Lenkung etwas langsamer, damit du dich auf rauem Untergrund sicherer fühlst. Außerdem macht ein flacher Lenkwinkel das Bike insgesamt länger, was ihm mehr Stabilität verleiht.  (Rennrad Geometrie Guide).

Sitzrohrwinkel

Der Sitzrohrwinkel wird vom Horizontalen zur Sitzrohrmitte gemessen. Der Winkel bestimmt deine Position im Verhältnis zu Tretlager und Pedalen. Ein steilerer Sitzrohrwinkel bedeutet, dass du mehr über die Pedale fährst, was im Allgemeinen von Rennradfahrern, Zeitfahrenden und Triathleten bevorzugt wird.

Man sitzt insgesamt niedriger auf dem Fahrrad und entlastet über lange Zeiträume die Oberschenkelmuskulatur. Ein flacherer Sitzrohrwinkel ist etwas weniger effizient, aber komfortabler.

Canyon Rennräder verfügen über einen Sitzrohrwinkel von 73,5°, der eine ausgewogene Position in der Mitte des Bikes ermöglicht – sowohl in der Ebene als auch auf Anstiegen. Im Gegensatz dazu hat das Canyon Speedmax Triathlonrad einen extrem steilen Sitzrohrwinkel von 80,5°, um dich in eine sehr aggressive Aero-Position über oder fast vor dem Tretlager zu bringen.

Bike-Geometrie – Sitzrohrwinkel

Sattelhöhe

Die Sattelhöhe gehört zu den ersten Dingen, die man bei der Größenwahl überprüft. Wenn du den Sattel nicht dort einstellen kannst, wo du ihn brauchst, fühlt sich das Bike nie richtig an. Deine verfügbare Reichweite hängt vom Sattelrohr des Rahmens und dem Design der Sattelstütze ab, die gemeinsam entscheiden, wie viel Platz du hast, um eine komfortable, effiziente Pedalposition  zu wählen.

Bike Geometrie - Sattelhöhe

Radstand

Der Radstand ist der Abstand zwischen den Naben beider Räder. Je länger der Radstand, desto stabiler ist das Fahrverhalten. Mit einem Radstand von beispielsweise 1003 mm (Größe L) sorgt das Canyon Ultimate für ein schnelleres, reaktionsschnelleres Fahrverhalten als das Canyon Grizl Gravel Bike, das einen viel längeren Radstand von 1050 mm (Größe L) aufweist, um die Stabilität in unwegsamem Gelände zu erhöhen.

Bike-Geometrie – Radstand

Kettenstrebenlänge

Die Länge der Kettenstrebe ist eng mit dem Gesamtradstand eines Fahrrads verbunden. Rennräder verfügen über kürzere Kettenstreben, um das Handling agil und reaktiv zu halten. Das Endurace, das auf Komfort und Stabilität auf der Straße ausgelegt ist, hat mit 415 mm (Größe L) einen leicht längeren Hinterbau als das Ultimate mit 413 mm. Ein Unterschied von 2 mm mag gering erscheinen, doch auf dem Bike lässt sich dieser Unterschied tatsächlich spüren.

Bike-Geometrie – Kettenstrebenlänge

Tretlager-Offset

Der Tretlager-Offset ist der vertikale Abstand zwischen dem Tretlager und der horizontalen Linie zwischen den Radnaben. Mitunter als "Tretlagerabsenkung" bezeichnet, trägt dieses Maß entscheidend dazu bei, wie stabil sich ein Bike anfühlt. Ein größerer Wert bedeutet, dass das Bike einen niedrigeren Schwerpunkt hat.

Gravel Bikes sind tendenziell etwas niedriger als Rennräder – Grail und Grizl haben beide 75 mm Tretlagerversätze, während das Aeroad einen 70 mm Versatz hat. Das macht das Grizl und das Grail etwas stabiler als das Aeroad.

Bike-Geometrie – Tretlager-Offset

Reifenfreiheit

Reifenfreiheit sollte für jeden, der ein Rennrad oder Gravelbike kauft, ein wichtiges Kriterium sein. Sie zeigt dir nicht nur, welche Reifen mit Rahmen und Gabel deines Bikes kompatibel sind, sondern gibt dir auch Hinweise auf die Einsatzmöglichkeiten des Rads. Ein Bike mit größerer Reifenfreiheit eignet sich deutlich besser für Fahrten abseits befestigter Wege als eines mit geringerer Reifenfreiheit. Breitere Reifen verbessern den Komfort, erhöhen aber auch den Rollwiderstand, sodass du dein ideales Gleichgewicht finden musst.

So funktioniert es auf Rennrädern

Vor einigen Jahren waren sich die meisten Expertinnen und Experten einig, dass ein möglichst schmaler Rennradreifen die beste Wahl sei. Viele Profis fuhren während ihrer gesamten Karriere auf 19 mm Skinnies. Aber zwischen der Forschung, die darauf hindeutet, dass breitere Reifen besser sind, und technologischen Fortschritten wie Scheibenbremsen liegen die gängigsten Breiten in unserem Sortiment jetzt zwischen 28 und 32 mm.

Rennrad-Reifenfreiheit

So funktioniert es auf Gravel Bikes

Gravelrahmen sind für größere Reifen ausgelegt, und die Zahlen sprechen für sich. Das Grail bietet eine Reifenfreiheit von 42 mm – breit genug für echten Grip, schnell genug für Renntempo und perfekt abgestimmt für diese angenehme Balance aus Geschwindigkeit und Kontrolle. Das abenteuerbereite Grizl bietet dir eine großzügige Reifenfreiheit von 54 mm für voluminöse, fast MTB‑ähnliche Reifen. Mehr Volumen, mehr Biss, mehr Selbstvertrauen, wenn das Terrain wild wird.

Oberrohrlänge

Aus diesem Grund wurde die Länge des Oberrohrs größtenteils durch einen effektiven Stack und eine effektive Reichweite als zuverlässigste Indikatoren für die Passform und Position in der Praxis ersetzt.

Steuerrohrlänge

Die Länge des Steuerrohrs fließt direkt in die Stack-Messung des Fahrrads. Ein kürzeres Steuerrohr senkt die Front des Bikes ab und bringt dich in eine flachere, kompaktere Position, während ein längeres Steuerrohr die Front anhebt und für eine aufrechtere, entspanntere Haltung sorgt.

Genau wie die Oberrohrlänge spielt auch die Steuerrohrlänge bei modernen Bikes eine deutlich geringere Rolle, wenn es darum geht, die richtige Rahmengröße zu wählen. Da es nur den Rahmen beschreibt und nicht deine tatsächliche Handposition, liefert der effektive Stack heute ein deutlich klareres und verlässlicheres Bild davon, wie hoch sich die Front des Bikes beim Fahren wirklich anfühlen wird.

Bike-Geometrie – Oberrohrlänge
Bike-Geometrie – Steuerrohrlänge
Fortgeschrittene Geometrie

Einige Aspekte des Fahrverhaltens ergeben sich aus Maßen, die du in keiner klassischen Geometrietabelle findest – dennoch haben sie einen großen Einfluss darauf, wie sich das Bike beim Fahren anfühlt.

Gabelversatz

Gabelversatz ist der Abstand zwischen den Gabelblättern und der Lenkachse, gemessen an der Vorderachse. Mehr Versatz schiebt das Vorderrad weiter nach vorne und gibt der Lenkung einen schnelleren, leichteren Griff. Weniger Versatz hält das Rad weiter innen, erhöht den Nachlauf (siehe unten) und sorgt für mehr Stabilität bei steigender Geschwindigkeit. Es ist eine der wichtigsten Stellschrauben, mit denen Designer das Fahrverhalten eines Bikes am Lenker entweder direkter oder ruhiger abstimmen.

Nachlauf

Der Nachlauf ist der Abstand zwischen dem Punkt, an dem dein Vorderreifen den Boden berührt, und dem Punkt, an dem die verlängerte Lenkachse den Boden treffen würde. Einfach ausgedrückt zeigt es, wie weit die Kontaktfläche hinter der Lenkachse "verläuft". Mehr Nachlaut sorgt für ein ruhigeres Fahrgefühl bei hoher Geschwindigkeit. Weniger Nachlauf macht das Frontend schneller und agiler. Zusammen mit dem Gabelversatz schafft es die Balance zwischen Stabilität und einer agileren, reaktionsschnelleren Fahrt.

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