Was ist ein Mullet-Bike? Dein kompletter Guide zu gemischten Laufrad-Setups
Lust auf ein Mullet-Mountainbike? Hierfür ist kein Haarschnitt nötig.
Mountainbiker lieben Fachbegriffe. Ob du gerade dein Schaltwerk einstellst, dein Tretlager prüfst oder deinen Reach misst – der Sport hat seine eigene Sprache. Mullet-Bikes sind ein weiteres Beispiel dafür, denn der Begriff entstand ursprünglich als schlechter Scherz, angelehnt an den berühmten Haarschnitt der 80er. Gemeint sind einfach Bikes, bei denen das Vorderrad größer ist als das Hinterrad. Die Wahl dieser Kombination aus Radgrößen verändert das Handling im Vergleich zu einem Bike mit gleich großen Laufrädern und bringt einige Vor- und Nachteile mit sich. Dieser kurze Guide hilft dir zu verstehen, was Mullet-Bikes sind und ob ein Mullet-Setup für dich Sinn macht.
Inhalt
Was ist ein Mullet-Bike?
Ein Mullet ist jedes Bike, bei dem das Vorderrad größer ist als das Hinterrad. Meist handelt es sich um ein Mountainbike mit 29-Zoll-Vorderrad und 27,5-Zoll-Hinterrad, doch das Setup kann auf jede Art von Bike angewendet werden. In der Vergangenheit gab es Mountainbikes mit 26-Zoll-Vorderrad und 24-Zoll-Hinterrad, und vielleicht werden eines Tages Bikes mit 32-Zoll-Vorderrad und 29-Zoll-Hinterrad verkauft.
Warum ein Mullet-Mountainbike fahren?
Der Begriff Mullet stammt aus dem Downhill-World-Cup-Racing. Früher war Downhill ein reiner 26-Zoll-Laufräder-Sport, und die Idee eines Downhill-Bikes mit größeren Rädern wurde lange Zeit belächelt. Während die breitere Mountainbike-Industrie auf größere Räder umstieg, folgte Downhill nur langsam. 27,5-Zoll-Räder wurden widerwillig akzeptiert, und als das erste 29-Zoll Downhill-Bike bei einem World-Cup-Rennen auftauchte, war das ein bemerkenswerter Tag im Sport.
Der Sport Downhill basiert vor allem auf Tests, und bei diesen Tests erkannten die Fahrer, dass die neuen Bikes mit größeren Rädern schneller waren – und das 29-Zoll-Bike war am schnellsten. Schnell rollende 29-Zoll-Räder überwanden Hindernisse leichter und hielten mehr Geschwindigkeit. Das Problem bei größeren Rädern im Downhill war, dass sie für kleinere Fahrer schwerer zu handhaben waren und nicht so schnell die Richtung wechselten.
Um das Handling kleinerer Räder zu bekommen, aber das Monster-Truck-Gefühl des größeren Vorderrads beizubehalten, probierte man 29-Zoll-Vorderräder und 27,5-Zoll-Hinterräder aus – und so entstand der Begriff Mullet-Setup.
Diese Kombination wurde zum Standard-Setup aller Top-Downhiller der Welt, unabhängig von der Körpergröße. Die Fahrer erkannten, dass 29 Zoll nach wie vor das Nonplusultra für reinen Speed ist – allerdings mit kaum Spielraum für Fehler. Ein Mullet-Setup dagegen war nur geringfügig langsamer, ließ aber Fehler während der Rennläufe zu, ohne dass es zu großen Zeitverluste führte. Das sorgte für konstantere Rennresultate.
Wie funktionieren Mullet-Laufräder?
Mullet-Setups sorgen für besseres Handling in technischen Passagen. Vorne sorgen die 29-Zoll-Räder dafür, dass Hindernisse einfacher überrollt werden und die Geschwindigkeit besser gehalten wird. Ein Nachteil: Für Fahrer mit kürzeren Beinen kann ein größeres Hinterrad das Handling erschweren. Durch die Größe kann es beim Fahren im Wiegetritt bergab im Weg sein. Für Fahrer über 1,82 m ist das meist kein Problem.
Es gibt auch Unterschiede im Fahrverhalten. Bei identischem Reifen- und Felgenaufbau ist ein 27,5-Zoll-Rad leichter als ein 29-Zoll-Rad, da Felge und Reifen kleiner sind. Dieses geringere Gewicht macht das Rad etwas wendiger. Der Wechsel von einem größeren zu einem kleineren Hinterrad verändert außerdem den Grip. 29-Zoll-Räder haben eine größere Aufstandsfläche, was mehr Traktion bedeutet. Für Fahrer, die Klettern priorisieren, kann das ein Vorteil sein. Für Fahrer, die ein verspieltes Handling bevorzugen, macht es das Hinterrad auf dem Trail träger und schwieriger zu handhaben.
Diese Kombination aus geringerem Gewicht, weniger Grip und mehr Bewegungsfreiheit macht Mullet-Setups beliebt bei Fahrern, die Handling über reine Geschwindigkeit stellen. Dass die weltbesten Downhill-Racer dieses Setup nutzen, zeigt, dass die Vorteile spürbar sein können.
Was Mullet-MTBs für verschiedene Fahrstile bedeuten
Ob ein Mullet-Setup zu dir passt, hängt vermutlich davon ab, welchen Fahrstil du bevorzugst:
Downhill
Mullet-Setups sind die bevorzugte Laufradkombination der weltbesten Downhill-Fahrer. Nach zahlreichen Tests war auch für unser Factory-Downhill-Team klar: Das Sender ist als Mullet-Setup die beste Wahl.
Enduro
Enduro unterscheidet sich nicht stark vom Downhill, aber durch lange Anstiege und Abschnitte mit flacherem Terrain ändern sich die Prioritäten. Unser Strive-Enduro-Racebike gibt es nur mit 29-Zoll-Rädern, da unsere Profi-Fahrer damit schneller unterwegs waren. Zwar kann ein Mullet in den technisch anspruchsvollsten Downhill-Passagen schneller sein, über einen gesamten Renntag mit wechselndem Terrain lieferten größere Laufräder jedoch die besseren Gesamtzeiten.
Trail- und All-Mountain
Bei Trail- und All-Mountain-Fahrten gibt es kein richtig oder falsch, sondern nur das, was Spaß macht. Wer gerne größere Entfernungen zurücklegt, könnte Mullet-Räder auf Anstiegen als anstrengender empfinden. Wer aber das maximale Grinsen auf der Abfahrt sucht, könnte ein Mullet-Setup genau richtig finden. Unser preisgekröntes Spectral-Trailbike ist deshalb mit beiden Setups kompatibel – so bekommt man das Beste aus beiden Welten.
Cross-Country
Im Cross-Country-Bereich ist es eindeutig: reine 29-Zoll-Setups gewinnen. Bei Cross-Country-Rennen wirst du kaum einen Fahrer mit Mixed-Wheel-Setup finden, da in diesem Sport jede Sekunde zählt. Unser Lux World-Cup-Race-Cross-Country-Bike wurde daher ausschließlich mit 29-Zoll-Rädern entwickelt.
Mein Bike auf Mullet umrüsten
Es ist nicht schwierig, dein aktuelles Bike auf Mullet umzurüsten – du brauchst nur ein kleineres Hinterrad. Solange der Achsstandard passt, passt es in dein Rahmensetup. Allerdings beeinflusst das die Geometrie und das Fahrwerk:
Änderungen der Geometrie
Ein kleineres Hinterrad verändert die Geometrie deines Bikes erheblich, was nicht immer positiv ist. Zunächst senkt es das Tretlager, was für mehr Stabilität sorgt, aber problematisch wird es, wenn du beim Pedalieren Bodenkontakt hast.
Durch die kleinere Hinterradgröße kippt der Rahmen leicht nach hinten, was Steuerwinkel, Sitzrohrwinkel und Reach verändert. Ein flacherer Steuerwinkel gilt bei vielen Fahrern als Vorteil, da das Lenkverhalten ruhiger ist und sich technische Abfahrten einfacher meistern lassen. Weniger positiv sind Reach und Sitzrohrwinkel: Der Sitzrohrwinkel wird flacher, wodurch die Pedalposition weiter hinter dem Tretlager liegt und dadurch die Effizienz sinkt. Ein verkürzter Reach verändert zudem die Sitzposition und die Passform des Bikes.
Änderungen am Fahrwerk
Das Fahrwerk muss ausbalanciert werden. Durch die veränderte Geometrie musst du die Federgabel etwas anders einstellen, um die beste Performance zu erreichen. Mit flacherem Steuerwinkel liegt weniger Gewicht auf der Gabel, also muss sie etwas weicher eingestellt werden. Das nach hinten verschobene Gewicht bedeutet auch, dass der Dämpfer mehr Druck benötigt. Ist das neue Hinterrad leichter oder schwerer als das alte, musst du die Rebound-Einstellung anpassen, um dasselbe Fahrgefühl wie zuvor zu erzielen.
Lohnt sich ein Reverse-Mullet-Bike?
Wir haben noch keinen Fahrer getroffen, der das für eine gute Idee hält. Es ist zwar grundsätzlich möglich, da kein Kompatibilitätsproblem besteht, ein kleineres Rad in die Gabel zu setzen. Würdest du es ausprobieren, wäre das Vorderrad niedriger, was das Bike nach vorne kippt und die Abfahrtsposition weniger sicher macht. Man könnte eine längere Gabel einbauen, um die Lenkerhöhe anzupassen, aber einen Performance-Vorteil durch ein kleineres Vorderrad gibt es nicht.
Wer sollte über ein Mullet-Bike nachdenken: Die Vor- und Nachteile
Manchmal hilft am Besten die gute alte Pro-und-Contra-Liste, um das herauszufinden:
Mullet-Setup
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Agileres Handling durch leichteres Hinterrad | Weniger Traktion am Hinterrad |
| Mehr Bewegungsfreiheit auf dem Trail | Geringere Laufruhe bei hohem Tempo |
| Verspielteres Fahrgefühl in Kurven und in der Luft | Verliert bei groben Hindernissen schneller die Linie |
| Bessere Beschleunigung |
29er setup:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Hält die Geschwindigkeit gut | Schwerer, daher schwieriger, auf Geschwindigkeit zu kommen |
| Mehr Traktion | Das höhere Gewicht macht es weniger agil |
| Rollt leichter über größere Hindernisse | Das größere Hinterrad kommt dir eher in die Quere |
| Stabiler für eine ruhigere Fahrt |
Die Frage ist, was für dich am wichtigsten ist – liebst du das Klettern und das Zurücklegen von Strecke oder willst du das Maximum an Spaß bei den Abfahrten herauskitzeln? Wenn du dir noch unsicher bist, dann schau dir unseren detaillierteren Vergleich zwischen Mullet- und 29er-Bikes an.
Mullet vs 29er: Sender CFR Underdog vs Spectral CF 7
- Sender CFR Underdog – Canyon Sender CFR Underdog – Weltcup-Geschwindigkeit und -Kontrolle, robust gebaut für Privateers.
- Spectral CF 7 – Trailspaß mit kleinem Budget. CF-Performance, erschwinglicher Preis und eine solide Ausstattung. Viel zu lieben, nichts zu meckern.
Zusammenfassung: Ist ein Mullet-Bike das Richtige für dich?
Wir sagen zwar oft, dass es beim Mountainbiken keine falschen Entscheidungen gibt, aber beim Rennfahren ist die Antwort relativ klar: Ja für Downhill; nein für Enduro und Cross-Country. Auf dem Trail mit dir und deinem Bike gibt es hingegen kein richtig oder falsch – nur Spaßfaktor. Liebst du Geschwindigkeit oder verspieltes Fahren?
Wenn du unsicher bist, welcher Typ von Mountainbike zu dir passt, haben wir eine Reihe von Kaufratgebern erstellt, die dich durch die verschiedenen Fahrstile mitsamt passender Bikes führen. Unser Bike-Finder-Tool hilft dir außerdem, das richtige Bike anhand einfacher Fragen zu finden. Und falls du zwischen Modellen nicht entscheiden kannst, ermöglicht unser Bike-Vergleichstool einen direkten Vergleich.
Und denk immer daran: Die Laufradgröße ist nie so wichtig wie der Spaß beim Fahren. Wir sehen uns auf den Trails!
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Über den AutorMatt Wragg
Lerne Matt Wragg kennen, den freiberuflichen Fotografen, Autor und selbsternannten Fahrrad-Zerstörer aus Nizza, Frankreich. Trotz erfolgloser Versuche bei XC-, Trial-, 4X- und DH-Rennen hat Matts Leidenschaft für das Mountainbiken nie nachgelassen. Nach einer Zeit in der Kommunikationsberatung beschloss er, seiner Liebe zum Radsport nachzugehen und zog nach Neuseeland. Seitdem hat er die Welt bereist, Trails gejagt und eine erfolgreiche Karriere als Radsportfotograf und -autor aufgebaut. Im Jahr 2021 wurde bei ihm Autismus diagnostiziert, mit dem er seither leben lernt. Sein Fahrradkeller ist ein echtes Zeugnis seiner Liebe zum Radsport und beherbergt Fahrräder, die von Freeride bis Cargo reichen.