Komplette Checkliste zur Fahrradinspektion: So führst du die Wartung selbst durch
Eine regelmäßige Fahrradinspektion hält dein Bike in Topform und verhindert teure Reparaturen. Mit unserer Checkliste zur Fahrradinspektion meisterst du die Wartung selbst – ganz einfach und Schritt für Schritt.
Wenn du im Winter hauptsächlich auf dem Heimtrainer in die Pedale getreten bist, braucht dein Fahrrad etwas Pflege, bevor es im Frühjahr wieder für Fahrten im Freien bereit ist. Aber auch wenn du die ein oder andere Wintertour unternommen hast, ist eine gründliche Fahrradinspektion nötig.
Also ab in die Werkstatt? Nicht unbedingt. Auch als Einsteiger ohne Vorerfahrung in der Fahrradwartung kannst du diese Aufgabe erfolgreich selbst bewältigen. Mit unserer Checkliste zur Fahrradinspektion gelingt dir die Wartung in Eigenregie und du gewinnst obendrein ein besseres Verständnis für dein Bike und seine Funktionsweise.
Inhalt
Warum regelmäßige Fahrradchecks so wichtig sind
Ein gut gewartetes Fahrrad fährt sich nicht nur besser, es ist auch deutlich sicherer: Es läuft leiser, schaltet präziser und bremst zuverlässiger. Regelmäßige Inspektionen helfen dir, Verschleiß an deinem Fahrrad zu minimieren und frühzeitig zu erkennen, bevor daraus ein Sicherheitsrisiko oder ein teurer Defekt wird.
Lockere Schrauben, abgenutzte Bremsbeläge oder eine verschmutzte, trockene Kette fallen bei einer gründlichen Kontrolle sofort auf. Außerdem halten Komponenten wie Reifen, Kassette und Kette länger, wenn du sie pflegst. Das spart auf Dauer bares Geld und vermeidet unangenehme Überraschungen während der Fahrt.
Wie oft sollte man eine Fahrradinspektion durchführen?
Grundsätzlich solltest du dein Fahrrad vor jeder Fahrt kurz überprüfen. Mit einer strukturierten Wartungsroutine fährt dein Bike zuverlässig und sicher. Tägliche Checks nach dem A-B-C-M-Prinzip – mehr dazu weiter unten – dauern nur 2–3 Minuten und verhindern die häufigsten Probleme beim Radfahren. Bei wöchentlichen und monatlichen Inspektionen gehst du tiefer und kümmerst dich um Komponenten, die seltener Aufmerksamkeit brauchen. Dabei kontrollierst du unter anderem Schaltzüge, Bremsbeläge und die Spannung der Speichen. So erkennst du Verschleiß, bevor er zum Problem wird.
In den meisten Fällen reicht es, wenn du einmal pro Woche neues Kettenöl aufträgst. Es gibt allerdings keine festen Wartungsintervalle, denn die Frequenz deiner Fahrradinspektionen hängt davon ab, wie viel du fährst und wie die Streckenbedingungen sind.
In einer intensiven Fahrradsaison führst du eine gründliche Reinigung des Antriebs am besten alle paar Wochen durch. Wenn du regelmäßig dein Fahrrad reinigst, bedeutet das weniger Wartung und auf lange Sicht weniger kostspielige Reparaturen und Ersatzteile. Die Reinigung deines E-Bikes hat besondere Voraussetzungen und ist etwas aufwändiger. Darum haben wir dafür einen eigenen Ratgeber zusammengestellt.
Deine tägliche Checkliste zur Fahrradinspektion
Diese Checkliste hilft dir bei deiner täglichen Fahrradinspektion. Denk dabei an das A-B-C (auf Englisch) und den Buchstaben M:
- A steht für Air (Luft): Stelle sicher, dass der Luftdruck in deinen Reifen korrekt ist, und pumpe sie auf, wenn nötig.
- B steht für Brakes (Bremsen): Drücke die Bremshebel, um sicherzustellen, dass dein Rad richtig und zuverlässig zum Stehen kommt. Achte auf Quietschen oder andere seltsame Geräusche und prüfe deine Bremsbeläge regelmäßig auf Verschleiß.
- C steht für Chain (Kette): Stelle sicher, dass die Kette und Ritzel sauber und gut geschmiert sind und alles reibungslos läuft.
- Die M-Prüfung ist ein gründlicherer Check des Fahrrads, beginnend am Hinterrad. Folge von dort einem M-Muster: vom Hinterrad hoch zur Sattelstütze, hinunter zu den Pedalen und dem Tretlager, dann wieder hoch zum Lenker und schließlich nach unten zum Vorderrad. Prüfe bei dieser Durchsicht auch das Zubehör an deinem Fahrrad.
Wichtige Werkzeuge und Tipps zur täglichen Fahrradinspektion
Für eine schnelle, aber gründliche Inspektion brauchst du nicht viel:
- Eine Standpumpe mit Manometer zeigt dir präzise den Reifendruck an.
- Mit einem Satz Sechskantschlüssel ziehst du lockere Schrauben an Lenker, Sattel oder Vorbau nach.
- Ein sauberer Lappen macht es einfacher, Verschmutzungen zu erkennen und die Kette auf Trockenheit zu prüfen.
Achte auf Risse im Reifen, Verschleiß an den Bremsbelägen oder Beschädigungen am Rahmen. Wenn du sehr viel und weite Strecken fährst, solltest du jeden Tag Kettenöl auftragen und den Überschuss abwischen. Das nimmt zwar etwas mehr Zeit in Anspruch, lässt deinen Antriebsstrang aber wesentlich besser und geschmeidiger laufen.
Profi-Tipp: Geh systematisch vor und arbeite die A-B-C-M-Methode konsequent ab. Drehe beide Laufräder einzeln und achte auf unrunde Bewegungen oder schleifende Geräusche. Wackle leicht am Lenker und am Sattel, um lockere Verbindungen zu identifizieren.
Deine monatliche Checkliste für die Fahrradinspektion
Nicht alle Komponenten müssen vor oder nach jeder Fahrt geprüft werden. In der folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitung erfährst du, welche Bauteile du in einem wöchentlichen oder monatlichen Rhythmus überprüfen solltest, damit dein Fahrrad in einem optimalen Zustand bleibt.
Schritt 1: Reinige und schmiere deinen Antrieb
Ein sauberer und richtig geschmierter Antriebsstrang ist die einfachste Möglichkeit, damit dein Fahrrad reibungslos und schnell läuft. Viele Mechaniker empfehlen, das Fahrrad und die Kette nach jeder Fahrt abzuwischen. So vergrößerst du die Abstände zwischen den gründlichen Reinigungen.
Du weißt, dass es höchste Zeit für eine Antriebsreinigung ist, wenn sich schwarzer Schmutz auf deiner Kette und den Ritzeln ansammelt. Spätestens jetzt solltest du die Reinigungsmittel herausholen – jedoch besser schon vorher. Fülle den Eimer mit warmem Wasser und Antriebsreiniger. Nutze einen Schwamm und Bürsten, um Schmutz und Schmiermittelrückstände gründlich zu entfernen. Achte darauf, dass du jedes Kettenglied und die Zwischenräume der Ritzel reinigst. Die Pedale zu putzen, schadet auch nicht. Überprüfe dabei auch gleich, ob deine Pedale und Cleats abgenutzt sind. Bei Bedarf kannst du neue Cleats an deinen Schuhen befestigen.
Wenn dein Antrieb wieder sauber ist, trockne ihn mit sauberen Lappen ab. So vermeidest du unschöne Wasserflecken auf dem Rahmen. Anschließend ist es Zeit, deine Kette zu schmieren. Wenn du viel Geduld hast, kannst du die Kette langsam drehen und sicherstellen, dass jeder Bolzen einen kleinen Tropfen Schmiermittel abbekommt.
Wenn du lieber schnell wieder im Sattel sitzen willst, drehe die Pedale gleichmäßig und verteile einen Strahl Schmiermittel auf der Kette. Stell dabei sicher, dass du mindestens eine vollständige Kettenumdrehung machst. Das geht schneller als die erste Methode, ist aber auch unsauberer und verbraucht mehr Kettenöl. Nimm anschließend auf jeden Fall einen sauberen Lappen und wische das überschüssige Schmiermittel ab.
Die besten Werkzeuge und Profi-Tipps zur Reinigung und Schmierung deines Antriebs
Für eine professionelle Antriebsreinigung brauchst du die richtigen Werkzeuge und Utensilien:
- ein 5-Liter-Eimer
- warmes Wasser
- biologisch abbaubarer Antriebsreiniger
- mehrere Bürsten in verschiedenen Größen, um schwer zugängliche Stellen zu erreichen
- eventuell ein Kettenreinigungsgerät, um die Reinigung zu vereinfachen
- mehrere saubere Lappen zum Trocknen und Nachwischen
Beim Kettenschmiermittel kommt es auf die Bedingungen an, in denen du unterwegs bist:
- Trockenschmiermittel eignen sich für trockene, staubige Verhältnisse und ziehen weniger Schmutz an.
- Nassschmiermittel halten bei Regen und Nässe länger, neigen aber dazu, mehr Schmutz anzulagern.
- Kettenwachs bietet einen länger anhaltenden Schutz und eine bessere Schmierleistung als ölbasierte Schmiermittel. Allerdings ist die Anwendung des heißen Wachses aufwendiger.
- Für den deutschen Raum mit wechselnden Bedingungen ist ein Allwetter-Schmiermittel oft die beste Wahl.
Trage das Kettenöl immer auf die Innenseite der Kette auf, also dort, wo die Bolzen sitzen. Die Außenseite braucht keine Schmierung. Hier zieht Kettenöl nur unnötig Schmutz an. Lass das Schmiermittel nach dem Auftragen 10 Minuten einwirken und drehe die Kurbel einige Male, bevor du den Überschuss abwischst. So dringt es tief in die Kettenglieder ein.
Nach besonders schmutzigen Fahrten – etwa bei Regen oder auf matschigen Wegen – reicht oft ein schnelles Abwischen mit einem feuchten Lappen. In einer intensiven Fahrradsaison solltest du eine gründliche Reinigung des Antriebs in folgenden Abständen durchführen:
- alle 200–300 Kilometer, wenn du viel durch Matsch oder im Regen mit dem Bike fährst
- alle 300–500 Kilometer, wenn du hauptsächlich im Trockenen und auf asphaltierten Straßen unterwegs bist
- wenn die Kette beim Schalten knirscht
Weitere Tipps erhältst du in unserem Ratgeber zur richtigen Reinigung der Fahrradkette.
Schritt 2: Prüfe den Reifendruck und passe ihn an
Egal, ob du ein Rennrad, ein Stadtrad oder ein Mountainbike fährst – der ideale Reifendruck hängt von den persönlichen Vorlieben ab, ähnlich wie die Wahl des Kettenschmiermittels. Jeder Fahrer bevorzugt einen bestimmten Druck, der seiner Meinung nach die beste Kombination aus Komfort und Geschwindigkeit bietet. Hoher Druck lässt dich schneller rollen, kann aber hart und holprig sein. Niedriger Druck bietet mehr Kontaktfläche, besseren Grip und Komfort – geht aber auf Kosten der Geschwindigkeit und erhöht den Reifenverschleiß. Experimentiere und finde den richtigen Reifenluftdruck für dich. Wir haben Richtwerte und hilfreiche Überlegungen zum optimalen Reifendruck für Rennräder, Mountainbikes und Gravel Bikes zusammengestellt.
Passe den Reifendruck grundsätzlich an die Fahrbedingungen an. Bei Regen, Eis oder Schnee solltest du den Druck senken – die größere Kontaktfläche gibt dir mehr Stabilität und Kontrolle. Das Gleiche gilt für ruppiges Gelände beim Mountainbiken oder Gravel-Touren. Mehr Reifenkontakt bedeutet besseren Grip und sichereres Handling in anspruchsvollem Terrain.
Werkzeuge und Tipps zur Überprüfung und Einstellung des Reifendrucks
Eine Standpumpe mit integriertem Manometer ist das wichtigste Werkzeug für präzisen Reifendruck. Digitale Manometer zeigen den Druck besonders genau an, analoge Varianten sind aber ebenfalls ausreichend. Für unterwegs solltest du eine kompakte Handpumpe oder CO₂-Kartuschen mit Mini-Manometer dabeihaben.
Prüfe immer den auf der Reifenflanke angegebenen Maximal- und Minimaldruck. Diese Grenzen darfst du weder über- noch unterschreiten.
Prüfe den Reifendruck am besten vor jeder Fahrt. Reifen verlieren kontinuierlich Luft, auch ohne sichtbare Schäden. Bei Tubeless-Systemen ist der Druckverlust ebenfalls hoch. Miss den Druck immer bei kalten Reifen, denn während der Fahrt erwärmt sich die Luft und der Druck steigt.
Experimentiere mit 0,2–0,5 bar Unterschieden und achte darauf, wie sich das Fahrverhalten ändert. Erhöhe den Druck bei längeren Touren oder mit Gepäck leicht. Wenn du bei eisigen Temperaturen im Winter mit dem Fahrrad pendelst, kannst du den Druck um 0,5–1 bar senken. Das sorgt für besseren Grip auf rutschigem Untergrund.
Schritt 3: Überprüfe und warte die Bremsen
Die Bremsen gehören zu den sicherheitsrelevantesten Komponenten an deinem Bike und brauchen regelmäßige Aufmerksamkeit. Sie müssen dich jederzeit zuverlässig zum Stehen bringen.
Beim Ziehen der Bremshebel merkst du sofort, ob etwas nicht stimmt. Ein schwammiges Gefühl, ein zu langer Hebelweg oder Quietschen sind klare Warnsignale. Achte auch auf schleifende Geräusche während der Fahrt – wenn der Rotor am Bremsbelag schleift, stimmt die Ausrichtung nicht.
Bremsbeläge und Rotoren unterliegen natürlichem Verschleiß. Du musst sie regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf austauschen. Ersetze die Beläge, wenn sie die vom Hersteller empfohlene Mindestdicke unterschreiten oder deutliche Abnutzung zeigen. Eine neue Bremsscheibe ist fällig, wenn du am Rotor eine spürbare Kante zwischen der Verschleißzone und dem unbenutzten Bereich ertasten kannst. Hydraulische Bremsen müssen gelegentlich entlüftet werden, wenn die Hebel schwammig werden.
Werkzeuge und Tipps zur fachgerechten Bremsenwartung
Für eine gründliche Bremseninspektion brauchst du nur wenige Werkzeuge. Eine Taschenlampe oder ein Smartphone-Licht hilft dir, die Belagdicke zu beurteilen, ohne die Laufräder auszubauen. Wenn du sie doch ausbaust, misst du die Reststärke mit einer digitalen Schieblehre oder Messlehre präzise. Die meisten Beläge sollten bei weniger als 1,5 Millimetern Restdicke ersetzt werden – manche Hersteller geben 2 Millimeter vor.
Falls deine Bremsen quietschen, brauchst du Bremsenreiniger oder Isopropanol (mindestens 90 Prozent Alkoholgehalt) und fusselfreie Lappen. Verwende niemals normale Reiniger. Diese hinterlassen Rückstände auf den Belägen, vermindern die Bremsleistung und können das Quietschen verschlimmern.
Reinige Rotoren und Beläge regelmäßig mit Isopropanol, um Öl- und Schmutzreste zu entfernen. Schon kleinste Verunreinigungen reduzieren die Bremsleistung drastisch. Nach dem Wechsel musst du die neuen Beläge oder Rotoren einbremsen: Führe dazu 20–30 moderate Bremsungen aus mittlerer Geschwindigkeit durch, ohne komplett zum Stillstand zu kommen.
Überprüfe die Ausrichtung des Bremssattels, wenn die Bremse schleift. Lockere die Befestigungsschrauben leicht, ziehe den Bremshebel fest und ziehe die Schrauben langsam wieder an. So zentriert sich der Sattel von selbst. Bei mechanischen Scheibenbremsen justierst du die Beläge über die Einstellschrauben am Bremssattel.
Schritt 4: Überprüfe den Antrieb
Deinen Antrieb überprüfst du routinemäßig bei jeder Fahrradinspektion und wenn die Kette rutscht oder die Schaltung nicht mehr präzise funktioniert. Verschlissene Ritzel und Kettenblätter erkennst du an den Zähnen: Sehen sie aus wie Haifischflossen oder sind asymmetrisch abgenutzt, wird es Zeit für einen Wechsel.
So funktioniert der Kassettenwechsel Schritt für Schritt:
- Hinterrad ausbauen und Steckachse entfernen.
- Kettenpeitsche ansetzen, um die Kassette gegen Drehung zu sichern.
- Kassettenwerkzeug einsetzen und Verschlussring kraftvoll nach links drehen.
- Kassette anheben, indem du vorsichtig oben und unten festhältst, da sie aus mehreren Teilen besteht.
- Freilauf reinigen und neue Kassette bereithalten.
- Kerben am Freilauf suchen und Rillen der Kassette daran ausrichten.
- Ritzel nacheinander aufschieben – jeder Teil muss exakt in die Rillen passen.
- Verschlussring festziehen, bis du mehrere Knackgeräusche hörst.
Du musst die Kassette nicht bei jedem Kettenwechsel erneuern, aber bei jeder neuen Kassette gehört auch eine neue Kette dazu. Als Faustformel gilt: Bei einer jährlichen Fahrleistung von 5.000 bis 8.000 Kilometern solltest du die Kassette mindestens einmal und die Kette zweimal pro Saison ersetzen.
Werkzeuge und Expertentipps zur Antriebsüberprüfung
Für die Antriebswartung brauchst du spezialisiertes Fahrradwerkzeug:
- Eine Kettenpeitsche hält die Kassette fest, während du mit dem Kassettenwerkzeug (je nach Hersteller unterschiedlich: Shimano, SRAM oder Campagnolo) den Verschlussring löst.
- Ein Drehmomentschlüssel hilft beim korrekten Anziehen des Verschlussrings. Sitzt der Ring zu fest, schadet es dem Gewinde, während ein zu lockerer Ring die Kassette wandern lässt.
- Die Kettenmesslehre zeigt dir, wann du deine Kette wechseln musst. Sie misst die Kettenlängung durch Verschleiß.
Verschleißkriterien für verschiedene Komponenten:
- Die Kette ist das Verschleißteil Nummer eins. Sie hält 2.000–4.000 Kilometer, je nach Modell, Pflege und Bedingungen. Wechselst du die Kette rechtzeitig (bei 0,5–0,75 Prozent Längung), hält die Kassette 2–3 Kettenwechsel durch.
- Kassetten zeigen Verschleiß durch abgerundete oder hakenförmige Zähne. Die kleineren Ritzel (häufig genutzt) verschleißen schneller als die großen. Springt die neue Kette bei Belastung über die Zähne, ist es höchste Zeit für eine neue Kassette.
- Kettenblätter verschleißen langsamer, brauchen aber trotzdem Aufmerksamkeit. Wenn du asymmetrisch abgenutzte oder spitz zulaufende Zähne feststellst, ist es Zeit für ein neues Kettenblatt.
Achte auf Systemkompatibilität: Shimano-, SRAM- und Campagnolo-Komponenten sind nicht untereinander kompatibel. Die Anzahl der Ritzel hinten (11-fach, 12-fach, 13-fach) bestimmt, welche Kette und Kassette du brauchst.
Lenker, Vorbau und Griffe bzw. Lenkerband müssen fest und sicher sitzen. Rüttele bei der Inspektion aber nicht zu fest daran. Ziehe die Befestigungsschrauben nur mit dem vorgegebenen Drehmoment an. Diesen Wert findest du in der Regel in Newtonmeter (Nm) neben dem Gewindeloch eingeprägt. Ein Drehmomentschlüssel hilft dir, die Schrauben präzise anzuziehen, ohne die Gewinde zu beschädigen oder die Bauteile zu überlasten.
Der Rahmen ist das Herzstück deines Bikes und verdient regelmäßige Aufmerksamkeit. Prüfe ihn auf Risse, Dellen, Lackabplatzungen oder Verformungen, besonders an hoch belasteten Stellen wie Schweißnähten, Ausfallenden und dem Tretlagerbereich. Bei Carbon-Rahmen achtest du zusätzlich auf matte Stellen, Delaminationen oder hohle Geräusche beim vorsichtigen Abklopfen. Auch kleine Beschädigungen können die Struktur schwächen. Suche eine Fahrradwerkstatt auf, wenn du befürchtest, dass dein Rahmen beschädigt ist.
Kontrolliere alle Verbindungspunkte: Steuersatz, Sattelklemme, Flaschenhalter-Gewinde und Schaltauge. Wackele leicht an Lenker und Sattel, um Spiel zu erkennen. Knackgeräusche beim Fahren deuten oft auf lockere Schrauben oder beschädigte Lager hin. Geh der Ursache sofort nach, wenn du Knacken oder andere ungewöhnliche Geräusche beim Radfahren hörst.
Werkzeuge und Expertentipps zur Rahmen- und Lenkerinspektion
Ein Drehmomentschlüssel ist unverzichtbar für moderne Fahrräder, besonders mit Carbonrahmen und -komponenten. Es gibt zwei Varianten: Klick-Drehmomentschlüssel (einfacher zu bedienen, klickt beim Erreichen des vorausgewählten Drehmoments) und digitale Drehmomentschlüssel (zeigt kontinuierlich den aktuellen Wert an). Für Fahrräder brauchst du einen Bereich von 2–25 Newtonmeter. Die meisten Schrauben liegen zwischen 4 und 8 Newtonmeter.
Ziehe Schrauben kreuzweise an (bei mehreren Schrauben). Das verteilt die Spannung gleichmäßig. Gehe beim Drehmoment schrittweise vor: erst auf 50, dann auf 75 und dann auf 100 Prozent des Zielwerts.
Prüfe nach jedem Transport (Auto, Flugzeug) alle kritischen Schrauben, denn Vibrationen können sie lockern. Inspiziere den Rahmen gründlich nach Stürzen oder harten Schlägen.
Dokumentiere Schäden fotografisch und lass kritische Stellen vom Canyon Service Center oder einer Fachwerkstatt beurteilen. Bei Garantiefällen sind Fotos wichtig.
Schritt 6: Teste dein Fahrrad nach der Inspektion
Nach jeder Wartung, die über einfaches Kettenschmieren oder Reifenaufpumpen hinausgeht, steht eine Probefahrt an. Nur so stellst du sicher, dass alles einwandfrei funktioniert. Investiere besser jetzt ein paar Minuten, als mitten auf der großen Tour mit Problemen dazustehen.
Wähle für den Test eine ruhige Straße oder einen leeren Parkplatz. Starte entspannt und steigere die Intensität schrittweise. Achte auf ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen oder ein verändertes Fahrverhalten.
Checkliste und Tipps für die Testfahrt nach der Fahrradwartung
Teste systematisch alle Funktionen:
- Schalte vorne und hinten alle Gänge durch. Die Kette sollte sauber und ohne Verzögerung von Ritzel zu Ritzel wechseln. Schalte auch unter Last (leichter Anstieg oder gegen Wind), um sicherzustellen, dass die Kette sauber springt.
- Bremse aus verschiedenen Geschwindigkeiten – erst sanft, dann kräftig. Beide Bremsen müssen gleichmäßig verzögern, ohne zu quietschen oder zu schleifen. Der Druckpunkt sollte klar definiert sein, nicht schwammig.
- Fahr im Wiegetritt und achte auf Knacken am Rahmen oder Tretlager. Teste die Lenkstabilität in engen Kurven.
- Fahr über kleine Unebenheiten und teste die Lenkung. Spiel im Steuersatz oder lockere Schrauben machen sich jetzt bemerkbar.
- Lass das Bike ausrollen und achte auf Schleifgeräusche oder Klappern.
Eine strukturierte Testfahrt dauert 10–15 Minuten. Geh methodisch vor: Zieh beide Bremshebel, dreh die Laufräder durch und prüfe den Lenker auf festen Sitz.
Häufige Probleme und schnelle Lösungen beim Fahrradcheck
Selbst bei bester Wartung treten gelegentlich Probleme auf. Unser Troubleshooting-Guide hilft dir, typische Schwierigkeiten zu erkennen und schnell zu beheben. Wenn du Defekte frühzeitig erkennst und angehst, vermeidest du abgebrochene Touren und stehst nicht mit liegengebliebenem Bike am Straßenrand. Die folgenden Lösungen decken die drei häufigsten Probleme ab, denen du beim Radfahren begegnest.
1. Platter Reifen
Ein platter Reifen ist das häufigste Problem beim Radfahren. Unterscheide zwischen schleichendem Druckverlust (langsames Entweichen über Stunden oder Tage) und einem plötzlichen Plattfuß (sofortiger Luftverlust durch Durchstich). Die grundlegende Reifenreparatur gehört zu den essenziellen Fähigkeiten jedes Radfahrers:
- Loch finden: Pumpe den Schlauch auf und halte ihn an dein Ohr oder tauche ihn in Wasser – Luftblasen zeigen das Loch an. Markiere es mit Kreide oder einem Kugelschreiber.
- Flicken oder tauschen: Kleine Löcher (unter 3 Millimetern) lassen sich zuverlässig flicken. Bei größeren Rissen, porösen Schläuchen oder mehreren Löchern lohnt sich der Austausch. Flicksets sind platzsparend für unterwegs, neue Schläuche sind allerdings schneller montiert.
- Reifeninspektion: Bevor du den Schlauch wieder einbaust, taste den Reifen von innen gründlich ab. Eingebettete Dornen, Glassplitter oder Steinchen verursachen sonst sofort die nächste Panne. Prüfe auch die Felge auf scharfe Kanten, ein verrutschtes Felgenband oder abstehende Speichennippel.
2. Laute Bremsen
Bremsgeräusche sind lästig und deuten oft auf Probleme hin. Die häufigsten Ursachen sind verglaste (überhitzte) oder kontaminierte Bremsbeläge durch Öl oder Reinigungsmittel.
- Quietschen: Diese lästigen Geräusche entstehen meist durch verschmutzte oder verglaste Beläge. Reinige Rotoren mit Isopropanol. Bei Verglasung schleife die Belagoberfläche leicht mit feinem Schmirgelpapier ab oder tausche die Beläge.
- Ruckeln und Knirschen beim Bremsen: Das deutet auf komplett verschlissene Beläge hin, weil die Metallträger am Rotor schleifen. Ein sofortiger Wechsel ist nötig, sonst beschädigst du die Bremsscheibe.
- ·Schleifgeräusche beim Fahren: Diese Geräusche entstehen, wenn ein Bremssattel nicht zentriert oder der Rotor verzogen ist. Lockere die Bremssattel-Befestigung, ziehe den Bremshebel und fixiere den Bremssattel wieder. Er zentriert sich selbst. Einen verbogenen Rotor kannst du vorsichtig mit einem speziellen Rotorrichtwerkzeug begradigen oder ersetzen.
3. Schaltprobleme
Schaltprobleme haben meist einfache Ursachen. Die häufigsten Auslöser sind gedehnte Schaltzüge und verstimmte Schaltwerke. Die Zugspannung und Schaltwerksausrichtung beeinflussen die Schaltpräzision unmittelbar.
- Träges Schalten: Dieses Indiz deutet auf falsche Zugspannung oder verschmutzte Züge hin. Erhöhe die Spannung durch Drehen der Einstellschraube am Schaltwerk gegen den Uhrzeigersinn (halbe Umdrehung). Reinige und fette alte Züge oder tausche sie bei sichtbarer Korrosion oder gerissenen Strängen.
- Kette springt: Hier ist die Ursache höchstwahrscheinlich eine verschlissene Kette oder Kassette. Prüfe dies mit der Kettenmesslehre. Auch falsch justierte Schaltwerke lassen die Kette springen. Überprüfe mit einem Spezialwerkzeug, ob das Schaltauge verzogen ist, und stelle die Endanschläge neu ein.
- Schaltung funktioniert nicht: Hier sind die häufigsten Ursachen ein gerissener Schaltzug oder ein stark verdrehtes Schaltwerk. Prüfe den Zug auf Beschädigungen. Wenn das Schaltwerk oder Schaltauge verbogen ist, richtest du es mit speziellem Werkzeug oder tauschst es aus.
Fahrradinspektion leicht gemacht: mit unserer Checkliste
Das klingt nach viel Arbeit? Keine Sorge: Mit ein wenig Übung und unserer Checkliste zur Fahrradinspektion meisterst du diese grundlegenden Wartungsaufgaben im Handumdrehen. Du lernst dabei nicht nur dein Canyon besser kennen, sondern sparst auch Geld, das du in Rennen, neues Zubehör oder in ein weiteres Bike investieren kannst.
Regelmäßige Wartung verlängert die Lebensdauer deiner Komponenten deutlich und sorgt für sicheres, zuverlässiges Fahren. Wenn du ein E-Bike fährst, schau dir auch unsere Checkliste zum E-Bike-Saisonstart an: Dort findest du zusätzliche Tipps für elektrische Antriebe und Akku-Pflege.
Bei komplexeren Problemen oder wenn dir die Zeit fehlt, kümmern sich unsere Canyon Service-Locations professionell um dein Bike. Unsere Experten übernehmen alles – von der Inspektion bis zur Komplettüberholung.
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Über den AutorRobert Annis
Robert Annis ist ein preisgekrönter Journalist für Outdoor-Reisen. Als erfahrener Autor und Sportbegeisterter schreibt er Geschichten, die inspirierend sind und bei denen es vor allem ums Rennradfahren geht. Gut möglich, dass du einen von Roberts Artikeln schon bei Bicycling, National Geographic, Outside, Travel + Leisure, Inside Hook, AARP, Midwest Living, Sierra, Hemispheres, Departures, Lonely Planet, Afar, Los Angeles Times, Chicago Tribune, RV Magazine oder Hidden Compass gelesen hast.